r3G ' 4-p ^ $■ * > ^^^5^ m ^^ m ^ ^^^^S ^^^^^ □ ^= o ÜJ ^^^^g □ g kr 1 CD □ -_— .g O -C HOl 1 ^J Ln Lü *^^^^ 0= — — — □ ■ ^^ MM ^^S^ ' ^^^^ ^^^S fit; Organisation, Systematik und geographisches Verhältnifs der Infusionsthiercheru Zwei Vorträge, in der Akademie der Wissenschaften zu Berlin gehalten in den Jahren 1828 und 1830 €. G. EHREXßERK. Mit 8 Kupfertafeln in Folio. Non fumum ex fulgore sed ex fumo dare lucem! Berlin. Gedruckt in der Druckerei der Königlichen Akademie der Wissenfchaften. 1830. In Commitsion bei F. Dümmler. Die geographische Verbreitung der Infusionsthierchen in Nord -Afrika und West -Asien, beobachtet auf Hemprich und Ehrenbergs Reisen, mitgetheilt C. G. EHRENBERG. /VWV WA W* V\/»V\» [Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 10. Januar 1823.] u. nter die wissenschaftlichen Aufgaben, welche ich mir bei meinen, auf Veranlassung und durch Unterstützung dieser Akademie mit Dr. Hemprich gemachten Reisen in Afrika und Arabien zu lösen vorgenommen hatte, ge- hört auch die der geographischen Verbreitung jener kleinsten Organismen, welche unter dem Namen der Infusionsthierchen bekannt sind, und ich wähle diese erste, bisher nie in andern Welttheilen aufmerksam beachtete Stufe der organischen Bildungen zum ersten zoologischen Gegenstande mei- ner Mitlheilungen. Im gewöhnlichen Leben hat man freilich für diese Thierchen, die man mit blofsem Auge nie, oder doch nie deutlich sieht, wenig Interesse, allein dies ist nur eine Folge der Unbekanntschaft mit den- selben. Das Interesse für sie wächst immer mehr, je specieller man ihre Existenz und Eigenthümlichkeiten ins Auge fafst. Schon Leuwenhoek berechnete, dafs in der männlichen Milch eines einzigen Fisches, in der niedrigst zu stellenden Zahl, sich mehr Lebendiges finde, als die'Gesammt- zahl der Menschen auf der Erde dreifsig mal genommen beträgt. Ich selbst erkenne Monaden, welche ein -j^ö bis "^o einer Linie im Durchmesser ha- ben, und so dicht gedrängt bei einander leben, dafs ihre Zwischenräume kaum gröfser sind als ihre Durchmesser. Es läfst sich leicht berechnen, wie viel ein einziges 2 Fufs tiefes Wassergefäfs mit längere Zeit ruhig stehen- dem Wasser, wie wir z. B. dergleichen zum Feuerlöschen bei den Woh- nungen sehen, deren unter den nöthigen Bedingungen enthalten müsse. Jede A 3 9 2 Ehrenberg : die geographische f^erbreitung Cubiklinie wird, nimmt man sie auch nur zu ^ ihres Raumes, mit Thierchen erfüllt, 500 Millionen, jeder Cubikzoll aber über 800,000 Millionen Thier- chen enthalten. Sind in jenen Wassergefäfsen 6 Cubikfufs Wasser, so be- stehen diese aus 1036S Cubikzollen, oder fast 18 Millionen Cubiklinien, und da in jeder einzelnen derselben 500 Millionen Thierchen leben, so enthält jener Raum 9000 Billionen lebendiger Wesen, und ein einziger davon unter das Microscop gebrachter, eine Cubiklinie grofser Tropfen enthält deren 500 Millionen, gerade soviel als es den nicht überschätzenden Berechnungen zu- folge, Menschen auf der ganzen Erde giebt. Man denkt sich nun die Zahlen der lebendigen Körper eines stagnirenden Grabens, man denkt sich mit die- sem Leben im Sommer dicht erfüllte Teiche und Seen, und endlich beachtet man, dafs zwei Drittheile der Oberfläche unseres Erdkörpers von Wasser bedeckt wird, welches, wie in der neuern Zeit die Beobachtungen des Capi- tains Scoresby wieder bestätigen, selbst als Ocean häufig fähig ist, die Ent- wicklung ähnlicher Organisationen zu begünstigen, so erhält man, auch bei höher angenommenen Gröfsen und Zwischenräumen dieser Thiere, ein Re- sultat, welches die Masse des organischen Lebens als unermcfshch und für den Ausdruck unerreichbar fühlen läfst, aber jenes unscheinbare, nur dem bewaffneten Auge des Naturforschers sichtbare, in zahlloser Menge ver- streute Leben erhält auch die Bedeutung, welche sie zu einem besonders würdigen Gegenstande einer wissenschaftlichen Forschung erhebt. Die Wichtigkeit der Erforschung und fortdauernden Beachtung der Formen una Bedingungen dieser zahllosen Menge unserm gewöhnlichen Ge- sichtskreise unerreichbarer lebendiger Wesen, welche die Zahl der sichtbaren so unendlich übersteigt, wie die Sternenzahl der Milchstrafse des Himmels die dem gewöhnlichen Auge offen liegenden Sterne ins Unzählbare übertrifft, und deren Existenz für die Öconomie der Natur vom entschiedendsten und gröfsten Einflufs sein mufs, ist auch seit den ersten Zeiten der Entdeckung des Microscops eingesehen worden. Denkende Gelehrte, denen die Erklä- rung der Lebenserscheinungen, die Auffindung ihrer Bedingungen und die Feststellung des Begriffs des Lebens am Herzen lag, haben sich schon früh bemüht, das unter dem Schleier der Kleinheit verborgen wirkende riesen- hafte Leben ans Licht zu ziehen und genau zu beachten. In der neuesten Zeit ist man sogar vielseitig auf das Resultat gekommen, dafs hier wirklich die Werkstätte der bildenden Natur, der Anfang und das Ende aller Orga- \ der Infusionsthierchen in Nord- Afrika und West- Asien. 3 nismen sei. Alles Organische soll in diese Monaden wieder zerfallen, ohne je zu sterben, und aus diesen unsichtbaren und unscheinbaren Infusorien soll sich durch Verschmelzen mehrerer zu gröfseren Formen allmälig alles Orga- nische bilden, selbst der Leib des Menschen soll ein Haufe solcher Mona- den sein. Ohne mich dieser, nicht der Beobachtung, sondern der vorgreiffenden speculativen Philosophie angehörigen Meinung anzuschliefsen, habe ich mit dieser Einleitung und Erinnerung an bekannte Meinungen und Verhältnisse nur den Gesichtspunkt bezeichnen wollen, aus welchem, was ich vorzutragen gedenke, hervorgegangen, und es ergiebt sich aus derselben neben der all- gemeinen physiologischen Wichtigkeit des Gegenstandes, noch die besondre Wichtigkeit der Beantwortung der Frage: ,,Ob die Formen der Infusionsthierchen, welche bei uns die Gewässer , , ins Zahllose erfüllen, und demgemäfs den Urstoff der organischen „Schöpfungen bilden sollen, in allen Welttheilen dieselben sind, oder ,,ob mit der Verschiedenheit der grüfsern Naturkörper nach den Cli- ,,maten, auch eine Verschiedenheit der kleineren Lebensformen beob- achtet werde, welche letztere denn einen Zusammenhang mit den ,,ersteren haben könnten." Je angelegentlicher ich mich demgemäfs mit dem angegebenen Gegen- stande beschäftigt habe, desto gröfser fand ich aber die Schwierigkeiten, zu befriedigenden Resultaten zu gelangen, welche besonders darin lagen, dafs ich immer mehr einsah, dafs die bisherigen systematischen Formbestimmun- gen der Infusorien viel zu wenig auf richtigen festen Grundsätzen beruhten. Dessenungeachtet habe ich die Beobachtungen fortgesetzt, und sie besonders auf zwei Gesichtspunkte gelenkt, indem ich auszumitteln strebte, erstlich: ,, Ob es in den heifsen Zonen Infusorien gebe, welche aller Widersprüche ,, einer scharfen Kritik ungeachtet, sich als besondere, nur diesen „Zonen angehörige Formen betrachten liefsen, und ob es ebenda Infuso- ,, rienformen gebe, welche allen Anforderungen einer strengen Kritik gnü- ,, gend, sich als den europäischen ganz gleich erweisen liefsen ; zweitens : ,,Ob in dem Thauwasser der afrikanischen Länder und Wüsten Infuso- „rien vorkämen, welche mit mehr Bestimmtheit als die unsrigen, einer- , , seits für eine plötzliche Entstehung aus Urstoffen, und andrerseits für „ein meteorisches Verhalten derselben sprächen. A2 4 Ehrenberg : die geographische Verbreitung Um Genauigkeit zu erreichen, hatte ich mich neben einem zusammen- gesetzten Microscop mit einem Glasmicrometer versehen, und habe alle beobachtete Formen sogleich unter dem Microscop gezeichnet und ihre wirk- liche Gröfse dabei angemerkt. Waren sie farbig, so habe ich sie sogleich in derselben Farbe colorirt. Bevor ich nun zu den gewonnenen Resultaten übergehe, will ich zuerst auf einige Nachrichten aufmerksam machen, welche Gmelin und franzö- sische Gelehrte über das Verhalten der Infusorien in andern Welttheilen schon gegeben haben, die jedoch, wie sich erweisen wird, in unsicheren Thatsachen oder allgemeinen Ausdrücken bestehen und das wissenschaftliche Bedürfnifs nicht befriedigen. Gmelin beschreibt im Systema Natura e zwei aufsereuropäische Infu- sorien, deren eine dem indischen, die andere dem atlantischen Ocean ange- höre. Diese beiden, der Gattung Vorticella zugeschriebenen Körper sind zwar schwerlich je zu entziffern, aber gewifs ist, dafs sie weder Vorticellen noch Infusorien sind. Riche, ein junger thätiger Naturforscher, welcher mit d'Entreca- steau 1791 zur Aufsuchung Lapeyrouses in See ging und dann bald starb, theilte nach einer Bemerkung in Schweigger's Handbuche der Naturgesch. der skeletlosen Thiere p. 261. mit, dafs die Infusorien des Südoceans denen von Europa gleich wären, allein er scheint sie nicht so speciell beachtet zu haben, dafs er den Formen hätte systematische Namen beilegen können, we- nigstens sind diese nicht bekannt geworden, und somit sind seine Beobach- tungen nicht geeignet, etwas mehr festzustellen, als dafs es im Siklocean ebenfalls Infusorien gebe. Herrn Georg v. Cuviers sehr ehrenvolle Eloge des geistreichen und eifrigen jungen Naturforschers, findet sich im ersten Bande der Rapports des travaux de la sociale philomalique . Er war vor Antritt seiner Reise in Paris einer der Gründer und Secretair dieser gelehrten Ge- sellschaft gewesen, und hatte sich auch mit Infusorienbeobachtungen in Paris beschäftigt, die er der Gesellschaft vorgetragen hat, von denen aber nichts gedruckt ist. Andere Nachrichten gleicher Art theilte B ose über seine in Nord-Ame- rika angestellten Beobachtungen im Jahre 1802 mit. Sie finden sich im Dictionnaire d'histoire naturelle par Deterville, und wurden in Carolina ge- macht. Der Verfasser dieser Nachricht spricht ebenfalls von den Infusorien der I nfusionslhierchen in Nord- Afrika und West -Asien. 5 im Allgemeinen, nennt aber mir drei beobachtete Formen, und bei einer genaueren Kritik ergiebt sich, dafs eine derselben vielleicht (wie Bory de St. Vincent im Dict. Classicjiie arlicle Siliwella wohl richtig erkannt haben mag) eine flüchtig mit der Feder gezeichnete Larve eines Enlomostraci ist. Bosc nannte diese Form Cercaria cornuta, und Bory de St. Vincent hatte sie früher als eigene Infusorien -Gattung Silurella Boscii genannt und einen ähnlichen Irrthum begangen. Eine zweite amerikanische Form ist Vorti- cella doliolum Bosc. Auch die Charactere dieser Form lassen sich nicht an- geben. Die Figur ist, wie die erste, sehr flüchtig entworfen, und gar nicht geeignet, auf eine Schärfe der Beobachtungen hinzudeuten, wie sie jetzt nö- thig erscheint. Die dritte Form ist nicht gezeichnet, nur genannt als Roti- jere, und kann mithin eine Art der Gattung Rotifer, aber auch eine andere Gattung der Bäderthiere gewesen sein. Aus diesen wenig bestimmten und einigen noch unbestimmteren Beobachtungen zieht Herr Bosc pag. 186. jenes Buches das Bcsultat, dafs die kleinen Infusorien überall dieselben sein müs- sen, dafs aber die gröfseren in heifsen Erdstrichen ohne Zweifel oft ver- schieden sein mögen, wobei er sich auf seine Erfahrungen bezieht. Auf ähnliche Weise spricht sich, ohne auf seine Vorgänger Bücksicht zu nehmen, Bory de St. Vincent im Dict, Classique ai'ticle Geographie pag. 254. aus. Er behauptet dieselben Navicula-, Cercaria- und Volvox- Arten während des französischen Feldzuges in Bufsland im Wasser des Nie- men und auf seinen Beisen in He de France gesehen zu haben, ohne jedoch eine dieser Formen mit systematischen Namen zu bezeichnen. Die Unzu- länglichkeit der Beisebeobachtungen scheint der Verfasser dieser Nachrichten durch Infusionsversuch« mit organischen Substanzen aus verschiedenen ent- fernten Landstrichen, die er in Paris angestellt hat, haben ergänzen zu wol- len. Es war aber von diesen nicht zu erwarten, dafs sie ein anderes Besultat, als die bekannten Pfeffer- und Zimmetaufgüsse u. s. w. schön ergeben hatten, liefern würden. Jedoch versichert Herr Bory, in jedem verschiedenen Auf- gusse eine Mehrzahl {un petit nombre) eigenthümlicher Thierarten entdeckt zu haben. Die Mittheilung der speciellen Ergebnisse ist bis jetzt noch nicht erfolgt, und jenes widerspricht meinen Erfahrungen über Infusorien ganz. Es ist noch eine auf geographische Vertheilung der Infusorien Bezug habende Beobachtung zu erwähnen übrig, welche Chamisso auf Kotze- bue's Weltumseglung (1815) im hohen Meere in der Nähe der brasiliani- 6 Ehrenberg: die geographische Verbreitung sehen Küste machte. Eysenhardt und Chamisso beschreiben (1820) das damals erkannte, das Meer grün färbende Thier als Paramaeciüm oceanicum. Die Form dieses Thieres pafst nicht übel zur Form der Cetraria viridis, in deren Nähe es wohl gehören mag. Die Gattung Paramaeciüm ist anders zu umschreiben, als es Müller that, und dann umfafst sie bestimmtere Formen, wozu diese nicht leicht gehören kann. Der gespaltene Hintertheil der Cerca- ria viridis bei Müller beruht auf optischer Täuschung, wie auch beim Bra- chionus uncinaliis, und stört daher die Vergleichung nicht. JV- -d. JVat. C. X. Ich gehe nun zu den eigenen Erfahrungen über. Infusorienbeobachtungen wurden von mir zuerst in der libyschen Wüste an allen den Orten wiederholt, wo wir Ruhetage machten • zuerst in Dscheil el achterie bei Alexandrien. Diese ersten Beobachtungen, wovon ich nur Zeichnungen gemacht, und dabei die Maafse angegeben hatte, sind verloren gegangen, doch glaube ich, alle damals beobachtete Formen in Siwa wiedergefunden zu haben. In den Brunnen bei Abusir, in Schmeime, in Medsched, bei Kasr eschdaebie, in Wadi dachan und in Bir Audscherin fand ich in dem Wasser, welches wir tranken, zuweilen Monas atomus Müll. und Monas glaueoma, eine bisher nicht beschriebene Art. Aufser diesen, durch Verlust der Papiere unvollständigen, aber nicht gerade besonders ein- flufsvollen Beobachtungen, habe ich noch an einem Orte des adriatischen Meeres, und überdiefs an zehn andern, theils afrikanischen, theils arabi- schen Orten Beobachtungen angestellt, und davon Zeichnungen und schrift- liche Bemerkungen glücklich mitgebracht. Wir beobachteten nämlich: 1 . Bei Cattaro im adriatischen Meere 1 Form. 2. Bei Alexandrien im Mittelmeere der libyschen Küste 3 Formen. 3. Bei Siwa in der Oase des Jupiter Ammon S 4. In Bulak bei Cahira in Ägypten in sumpfigem Nil- wasser 6 5. In Sues am rothen Meere im Seewasser 2 6. In Tor am rothen Meere im Seewasser, in Brunnen- wasser und in Aufgüssen 10 : 7. In Conferven, welche ich vom Sinai- Gebirge aus dem Bache des Thaies Wadi Esle frisch nach Tor mit- nahm 18 der Infusionsthierchen in Nord -Afrika und West- Asien. 7 8. In Suckot in Nubien im stagnirenden Nilwasser 2 Formen. 9 . Auf der Nilinsel Argo in Dongala 3 10. In der Festung Dongala gedid (Neu-Dongala, dersel- ben, zu deren Anlegung ich dem türkischen Gou- verneur den Plan entwerfen und zeichnen mufste) im Nilwasser 10 1 1 . Auf der Insel Massaua bei Habessinien im Meerwass er 1 Form. 64 Formen. Diese 64 beobachteten Formen reduciren sich systematisch auf 57 ver- schiedene Arten, welche, die einzige bei Cattaro ausgenommen, sämmtlich theils subtropischen, theils tropischen Gegenden angehören. Die 4 letzten Beobachtungspunkte, von Suckot an, gehören Erdstrichen jenseit des nörd- lichen Wendekreises gegen den Äquator hin an, und da die 28 in Tor am Sinai beobachteten Formen auch dem Wendekreise sehr nahe stehen, so gehören bei weitem die Mehrzahl, nämlich ^, mehr den tropischen Gegenden an. Der wissenschaftliche Werth dieser 57 Thierchen ist folgender: Ein Theil derselben sind bereits bekannte europäische Formen, über deren Identität ich nach wiederholter Vergleichung der Maafse, Zeichnungen und Beschreibungen mit den bei Berlin lebenden Thieren weiter keinen Zweifel haben kann. Solcher Formen sind 10, nämlich: Anguillula fluviatilis. {Vibrio fluviatilis Müll.) i Closterium liinula Nitzsch. Kolpoda cucullus Müller. Monas atomns Müller. termo Müller. Paramaecium chrjsalis Müller. Rotifer vulgaris Schrank. Tracüelius lamella. {Kolpoda lamella Müller.') Vibrio rugula Müller. Vorticella corwallaria Müller. Ein anderer Theil der Formen sind solche, welche zwar als europäi- sche Thierarten noch nicht bekannt sind, die ich aber selbst, theils bei mei- 8 Ehrenberg : die geographische Verbreitung nen früheren Beobachtungen in Leipzig und Berlin, theils jetzt später wie- der in Berlin ebenfalls vorgefunden habe. Solcher Formen sind 4, nämlich: Anguillula inflexa. nov. spec. Cocconema cistula. nov. Gen. Motjura adriatica. n. G. Navicula Jusiformis. n. sp. Endlich giebt es eine Anzahl von Formen, welche schon beschrie- benen, oder mir bekannten europäischen Thierarten zwar nicht ganz gleich erscheinen, aber doch entweder ihnen nicht so entfernt stehen, oder von mir nicht so genügend beobachtet werden konnten, dafs ich für rathsam hielte, ihnen eigene, von jenen festgestellten verschiedene Namen zu geben. Ich ziehe vor, diese als europäische Formen, obwohl mit Vorbehalt des Wunsches der gelegentlich von Reisenden zu wiederholenden Vergleichung, anzuerkennen, und ihre Namen nur mit einem Fragezeichen zu versehen. Solcher Formen sind 8, nämlich: Amblyura serpcntidus? (Vibrio serpenlulus Müller.) Cycloglena elegans. n. G. ? Diglena catellinai (Ccrcaria catellina Müller.) aurita. n. sp.? Enchelys pupa Müller. ? • ICHTHYDIUM podlim ? {Cercaria podura Müller.) Monocerca Ball US? (Trichoda Ratlus Müller.) Trichoda pjrum ? (Kolpoda pjrum Müller.) Diesen übersichtlichen Zusammenstellungen zufolge sind unter den 57 beobachteten Thierarten 22 europäische und 35 afrikanische, oder un- gefähr nur L der von mir in tropischen Gegenden beobachteten Infusorien- formen sind dieselben, welche wir in Europa, namentlich bei Berlin auch finden, dagegen aber sind 2 j, wenn nicht jenen Gegenden ganz eigenthüm- bch, doch bis jetzt in Europa noch nicht aufgefunden worden. der Infusionsthierchen in Nord -Afrika und JVesl- Asien. 9 Es ist im Übrigen bemerkenswert^ dafs unter den 57 Arten dieser Tbiere nur 7 Formen sind, welche aufsereuropäischen Gattungen angehö- ren, dafs sämmtlicbe 7 einzeln in eben so viel besondere Gattungen zu stel- len sind, und dafs ich auch von keiner derselben anderswo mehrere Arten beobachtet habe. Alle übrigen Formen lassen sich zu bekannten oder von mir vorgeschlagenen europäischen Gattungen bringen. Die 7 neuen afrika- nischen Gattungen habe ich mit den Namen DISTIGMA, DISOMA, DISCOCEPHALUS, HYDRIAS, TYPHLINA, ZOOBOTRYON und ZOOCLADIUM bezeichnet. Wenn besonders solche Gattungen der Naturkörper die Länder cha- rakterisiren, welche viele Arten in ihnen zählen, so ist es merkwürdig, dafs ich an keinem der einzelnen Beobachtungspunkte von irgend einer Gattung mehr als zwei Arten finden konnte, und dafs bei Übersicht der Gesammt- heit der Beobachtungen nur die Gattungen Trichoda und Cyclidium, jede vier Arten; alle übrigen aber weniger, die meisten nur eine Art lieferten, und wenn auch zum Theil der Grund dieses Verhaltens darin liegt, dafs ich, um die Schärfe der Beobachtungen zu befördern, geneigter bin die Formen zu trennen als zu vereinen, so bin ich doch eben so entfernt, die erkannten kleinen individuellen Abweichungen der Naturkörper von gewissen Haupt- formen, welche wir Arten nennen, als selbstständige Formen zu betrachten, und habe mir nur durch lang fortgesetzte Beobachtungen die mit Thatsachen zu belegende Überzeugung erworben, dafs die Formenzahl der existirenden Infusorien, selbst bei uns, noch bei weitem nicht erschöpft sei, dafs es viel- mehr nur noch an einer festen Basis zu ihrer Systematik fehle. Ferner unterlasse ich nicht zu bemerken, dafs an keinem der als Be- obachtungspunkte angeführten Orte die angegebene Zahl der Infusorien den wahren Bestand der Formen in jenen Gegenden anzuzeigen geeignet sei. Oft konnte das Microscop nur ganz verstohlen aufgestellt werden, weil es die Aufmerksamkeit der Araber zu sehr auf sich zog, und wenn auch astrono- B i Ehrenberg : die geographische Verbreitung mische und geographische Beobachtungen durch dieselbe Neigung der cultur- losen Völker, die messingenen Instrumente, welche zu berühren und zu wie- gen ihnen verweigert wird, für Gold zu halten, gefährdet werden, so pflegt doch deren Zweck bei der Anwendung ihnen anschaulicher zu werden, als der des Microscopes es ist. Der Gedanke an Zauberei blieb allemal zurück, wo wir den Afrikanern die Wirkung des Instrumentes zeigten, und wir hat- ten oft Grund zur Vorsicht beim ernsten Gebrauch. An Orten, wo in dieser Hinsickt keine Störungen zu befürchten waren, gaben Mangel an Ob- dach bei starkem Winde , Reiseunruhe , Augenbeschwerden , anderweitige nicht zurückzustellende Beschäftigungen, ernstere Krankheiten, u. s. w. die Ursachen zur Abbrechung und Unterlassung solcher eine innere und äufsere Ruhe erfordernden Beobachtungen, so dafs ich überall die Überzeugung be- hielt, dafs länger fortgesetzte Beobachtungen bei gehöriger Ruhe eine noch weit gröfsere Zahl von Formen ergeben haben würden. Wenn ich noch wagen darf, aus der verhältnifsmäfsig nicht ganz dazu geeigneten Zahl der Beobachtungen weitere Resultate zu ziehen, so wäre vielleicht deren eines, die Formen zu bezeichnen, welche die gröfste geo- graphische Verbreitung rücksichtlich der nördlichen Breitengrade hatten. Unter diesen zeichnen vier sich aus, nämlich : Anguillula ßmnatilis. (Vibrio fluviatilis Maller.') Monas termo Müller. Monas glaucoma. n. sp. Paramaecium chrysalis Müller. Anguiilula fluvialilis fand sich in der Oase des Jupiter Ammon und am Sinai •, Monas termo in der Oase des Jupiter Ammon und in Tor am rothen Meere, wo ich sie sowohl im stagnirenden Seewasser als izn Quellwasser des Sinaigebirges beobachtete. Monas glaucoma fand ich in der Oase des Jupiter Ammon und in Dongala. Paramaecium chrysalis fand sich in Bulak bei Cahira, auf der Insel Argo in Dongala und in der Festung Neu -Dongala. Es tritt hierbei besonders hervor, dafs die Mehrzahl dieser Formen, nämlich drei, auch in Europa allgemein verbreitet sind, während die vierte vielleicht nicht einmal durch recht wesentliche Charaktere von mir isolirt wird, was spätere Beobachtungen entscheiden müssen. der Infitsionsthierchen in Nord- Afrika und TV est -Asien. 1 1 Eins der von mir verzeichneten Infusorien, welches sich im Mittel- meer bei Alexandrien seltner, aber im rothen Meer bei Sues häufig fand, ist durch seine Gröfse merkwürdig. Es gleicht einem Fuciis, und ist nicht sel- ten über ein Schuh grofs. Diese Gröfse gehört aber nicht eigentlich dem einzelnen Thiere, sondern der Verbindung mehrerer Tausend solcher Thiere, die an gallertartigen netzförmig verbundenen forlwachsenden Stielen sitzen. Die kleinen Thierchen, welche man leicht übersieht, sitzen in Trauben an den Spitzen der Zweige, und ihre Körper sind microscopisch wie die aller übrigen. Das Thierchen ist aus der Gruppe der Vorticellen, und ich habe es mit dem Namen Zoobotryon bezeichnet. Hieran schliefse ich nun eine Beobachtung über das Verhalten der In- fusionen, die ich in Tor am Sinaigebirge machte. Obwohl es in unserem Plane lag, eine Reihe von Versuchen dieser Art in Afrika mit gröfserer Sorg- samkeit und im Zusammenhange anzustellen, so waren doch an Orten wo wir uns längere Zeit aufhielten, die Umstände nie so günstig, dafs wir es hätten planmäfsig ausführen können. Das Sammeln, Beobachten und Be- schreiben der gröfseren Naturkörper der Umgegend, was nicht der Infusorien halber vernachläfsigt werden konnte, sammt Kränklichkeiten und Krankhei- ten verhinderten überall die Ausführung des Entschlusses, obwohl ich zu- weilen schon die Gefäfse aufgestellt hatte. Nur einmal gelang es mir, aber ebenfalls mit Unterbrechung, eine Reihe von Versuchen zur Ausführung zu bringen, es war während meines Aufenthaltes in Tor am Sinai, wo ich auf meines Freundes Dr. Hempri ch's Rückkehr von Alexandrien zur Reise nach Habessinien vergeblich wartete, und volle Beschäftigung an Beobachtung der herrlichen Formen der Corallenthiere fand. Gegen das Ende Octobers hatte ich vier Gläser an einem abgesonderten Orte im Corallenhause des Griechen Nicola Barmili aufgestellt, sie enthielten Brunnenwasser, Seewasser, kalten schwarzen Pfefferaufgufs und kalten Zimmtaufgufs. An den ersten zwei Ta- gen konnte ich bei Untersuchung mehrerer Tropfen nichts Lebendiges in denselben finden. Am zweiten Tage war die Oberfläche aller Wässer etwas staubig. Am dritten Tage zeigten sich bei zwei Wässern unter dem Staube der Oberfläche Monas termo und Cjclidium g/aueoma? , es war im Brunnen - und Seewasser. Im Pfefferaufgufs waren dieselben Thiere, und überdies einzelne Kolpoda cucidlus. Im Zimmtaufgufs war nichts zu entdecken, und ich bemerke sogleich, dafs ich binnen den 1 1 Tagen, wo ich die Beobach- B2 12 Eiip.enberg-: die geographische l Verbreitung Hingen ununterbrochen fortsetzen konnte, im Zimrataufgufs nie Lebendiges beobachtet habe, doch bildeten sich Schimmelfäden an der staubigen Oberfläche. Von den übrigen drei Gläsern gaben das Brunnenwasser und der Pfefferaufgufs ebenfalls in den 1 1 Tagen keine weiteren, als die bereits an- gegebenen Resultate, nur wurden im letzteren die Kolpoden immer häufiger, und die Monaden schienen abzunehmen. Weit productiver als die zwei genannten war das Seewasser. Am vier- ten Tage erschien, aufser den Monaden und Cyclidien, Vibrio rugula ; am achten Tage kamen dazu : Slylonjchia cimex, Tracheluis lamella und Disorna vacillans. Eine Reise auf das Sinaigebirge, welche 12 Tage dauerte, unter- brach nun die Beobachtungen, und nach der Rückkehr, am 22 ste " November, fand ich alle Gläser ausgetrocknet, bis auf das gröfsere des Seewassers, in welchem die Stjionjchia sich noch munter bewegte. Länger fortgesetzte Beobachtungen dieses Wassers zeigten keine neuen Formen, obwohl sein Verdunsten fast 2 Monate nöthig hatte. Das Resultat dieser Beobachtungen ist, dafs in stagnirendem Brunnen- wasser und Pfefferaufgufs sich nur europäische Infusorienformen zeigten, im stagnirenden Seewasser aber auch eigenthümliche. Ferner: dafs, wie in Europa, so auch in Arabien, Monaden im stehenden Wasser zuerst er- scheinen. Weitere Resultate wage ich aus meinen Beobachtungen nicht zu ziehen. Die specielle Beschreibung der sämmtlichen systematisch geordneten Formen, welche ich beobachtete, behalte ich mir für die Sjmbolas physicas von mehien mit Dr. Hemprich gemachten Reisen vor und übergebe der Akademie nur das übersichtliche Verzeichnifs derselben. Da durch Spallanzani's bekannte Versuche die Idee der Pansper- mie, oder doch des Schwebens der Infusorien in der Atmosphäre begünstigt erschien, und auch Gleichens Beobachtungen von lebenden Infusorien im Schnee, der in der Stube schmolz, auf ein wirkliches Vorhandensein dieser Thierkörper in der Atmosphäre schliefsen lassen konnten, da ferner durch Herrn Alexander von Humboldt's eben so geistreiche als gelehrte Zu- sammenstellungen noch eine ähnliche, aber neue Ansicht dadurch eröffnet wurde, dafs die Aufmerksamkeit auf die senkrecht aufsteigenden Strömungen der Atmosphäre hingeleitet wurde, durch welche zarte Naturkörper, theils der Infiisionsthierchen in J\ 7 ord- Afrika und JVest- Asien. 13 /\ lebend, theils todt aus den Ebenen, Sümpfen und Meeren bis zu einer Höhe von 18000 Fufs uQwillkührlich emporgetragen, und zum Theil auf den hnch- sten Spitzen der Gebilde abgesetzt werden, zum Theil wieder in entfernte Ebenen herabsinken, so ergiebt sich dadurch das Interesse jener anderen Reihe meiner Versuche, von der ich schon in der Einleitung gesprochen habe, und deren speciellere Resultate ich nun mittheilen will ; es sind die Untersuchungen über das Verhalten der Infusorien im frisch gefallenen Thau, welche ich mir um so mehr zur Pflicht gemacht hatte, da die Akademie die- selben uns speciell aufgetragen hatte. Je mehr in unseren Gegenden allerlei Vorsichtsmafsregeln angewendet werden müssen, um nicht Feuchtigkeit und Infusorien, welche aus der näch- sten, überall mit Leben erfüllten, Umgebung stammen, als aus der Atmosphäre kommend anzusehen, und mithin falsche Resultate zu erhalten, desto ge- eigneter erschien uns die libysche Wüste zu Untersuchungen dieser Art. Der am Mittag durchglühte, alles Leben ertödtende Felsboden zeigte sich uns bei der Morgendämmerung, nicht selten dicht mit Thauperlen besät, und gab uns mit unseren ebenfalls bethauten Effecten von Holz, das Material und die Bedingungen zu scharfer Beobachtung im besten Verhältnifs. Im Ganzen habe ich in der grofsen libyschen Wüste die Beobachtun- gen des Thaues an den Ruhepunkten sechsmal angestellt, und überdies noch dreimal in Dscheil el achterie bei Alexandrien. Ich untersuchte jedesmal 15 bis 20 Thautropfen, zuweilen mehr, ich zählte aber gewöhnlich nur bis 15. Nach dieser Zahl des Minimi, beträgt die Summe der von mir in Libyen be- obachteten Thautropfen 135, deren Resultat war, dafs ich nie ein einziges Infusorium erblickte. Überdies habe ich während meines sechsjährigen Aufenthaltes am Nil und in Arabien noch mehrmals die Versuche wiederholt, und den Thau unter sehr verschiedenartigen Umgebungen beachtet. Während unserer Reise nach Dongala, stellte ich im Nil auf der Barke vor Theben mehrere Beobachtun- gen an. Von Theben südlich gab es scheinbar keinen Thau aus der Atmo- sphäre mehr, und obwohl ich in Dongala Infusorienbeobachtungen mit Nil- wasser öfter anstellte, so war doch jener Zweck nicht weiter zu verfolgen. Thautropfen, die sich an der Unterseite der Pflanzenblätter fanden, und welche vom Boden aufsteigende Wasserdämpfe anzeigten , beobachtete ich in Dongala am Nil wohl, hielt aber diese nicht für geeignet, das gewünschte 1 4 Ehrenbero : die geographische Verbreitung Resultat zu geben. Später habe ich wiederholt Thau am rothen Meer durch das Mieroscop beobachtet, besonders in Dscherm el moie bei Ras Muham- med, auf unserer Reise von Sues nach Moileh. Eine sichere Bucht schützte daselbst vor dem Schaukeln der Meereswellen, und auf dem Schiffsholze bildete der Thau kleine Strömungen am Morgen. Dieselbe Beobachtungen wiederholte ich in Tor, wo wir uns am Lande ansiedelten. Nirgends habe ich auch hier weniger als 15, an manchen Orten viel mehr Tropfen beobach- tet, so dafs ich nicht zuviel zu sagen glaube, wenn ich die Zahl der Beob- achtungen auf 300 stelle. In all diesen Fällen aber habe ich niemals auch nur ein einziges lebendes Wesen gesehen. Über die in der libyschen Wüste gemachten Beobachtungen hatten wir die Ehre, bereits im ersten unserer Berichte aus Afrika, der Akademie das allgemeine Resultat von Alexandrien aus mitzutheilen. So wäre denn das Ergebnifs unserer Beobachtungen und dieses Vortrags : 1. Dafs weder in Afrika, noch in Arabien im atmosphärischen Thau Infu- sorien zu finden waren ; 2. dafs es in aufsereuropäischen Erdstrichen, namentlich in Afrika und Arabien, Infusorien giebt, welche den europäischen ganz ähnlich sind, dafs diese aber von den daselbst vorkommenden Formen nur ij an Zahl bilden, während \ den Gegenden eigenthümlich sind ; 3. endlich ergiebt sich, dafs die Formen -Eigenthümlichkeit der Infuso- rien nicht in eben dem Maafse gegen den Äquator hin zunimmt , wie die der gröfseren Organismen, sondern, dafs sich dieselben den cry- ptogamischen Pflanzenformen anschliefsen, ohne mit gewissen gröfseren organischen Körpern in einem bestimmten Verhältnifs zu stehen. Anmerkung. Die Synonyme der folgenden Tabelle, welche mit Symb. bezeichnet sind, be- ziehen sich auf die Symbolas physicas. Die Namen mit grüfserer und durchschossener Schrift bezeichnen neue Gattungen und Arten. der Infusionsthierchen in Nord - Afrika und Wfst~ Asien. 15 Tabelle I. Verzeichnifs der in Nord -Afrika und West -Asien in den Jahren 1820 bis 1826 auf meiner mit Dr. Hemprich unternommenen Reise beobachteten Infusorien. CirÖfse nach Pariser Lintrn. 1. AMBLYURA serpenlulus? ") . . __, ,. _ . . r \ Sinai ( Wadi Este) (Vibrio serpenlulus Symb.) J 2. ANGUILLULA ßuviatilis. \ f Oase des Jupiter Ammon (Siwa) ^ (Vibr. fluviat. ijbic. ^/mi.)J\Sinai (Wadi Esle) -|g' 3 i in "80 III i in 4 (Enchelys micros. Symb.) J ^°" inflexa. nov.spec. 1 _ , r \ Dongala (Vibrio fluv. nilotie. Symb.) ) ° 4. dongalann. n. sp. Dongala V" 5. Bacillaiua Cleopatrae. n. sp. Mittelmeer bei Alexandrien ig'" 6. Ptolemaei. n. sp. Mittelmeer bei Alexandrien -j^'" 7. BACTERIUM simplex. n. sp. Ägypten (Bulak) ^ 8. triloculare. n. sp. Oase des Jupiter Ammon (Siwa)^'" 9. scintillans. n. sp. "J „. . /TTT ,; _ . . 1 > bmai (Wadi Esle) fte/fj rnicros. Symb.) J 10. Closterium lunula Nitzsch. Sinai (Wadi Esle) 4s" M ?.*^W n " S P- 1 Sinai (Wadi Esle) tf (Bacillar. multistr. Symb.) J v ' >' 12. COCCONEMA c««i*/a. 1_. .,„,,.„,, , '.„ > Sinai (Wadi Esle) 4= - 4/ (Bacillaria cistula Symb.) J V ' 32 ^4 13. Cyclidium? inane. n. sp. Oase des Jupiter Ammon -4^"' 14. glaueoma? "1 f Sinai (Wadi Esle) jig'" (Bursaria Ovulum Symb.) / (Tor am Sinai (in Pfefferaufgufs) jjg'" 15. lendiforme. n. sp. Dongala ^'" 16. planum, n. sp. Dongala -4='" 1 7. CYCLOGLENA elesans. n. sp.? 1 _ " „, ° r > Dongala X-l" (Typhlina/urca Symb. n. 1 .) J n * 6 1 6 Ehrenberg : die geographische Verbreitung IS. DIGLENA catellina? iSymb.n.2.3. > Dongi na Müller'?) J Gräfte Dach Pariser Linien. (Typhi. furcaSymb. n. 2.3. ]■ Dongala -J/" IG Cerc. catellin 19. _ .aurita. n. sp.? | Dongala (Typhlina canicula Symb.) ) ° 16 20. DISTIGMA Planaria. nov.Gen. Suckot in Nubien -^'" 21. DISOMA vacillans. n. G. Rothes Meer ^ - ^'" 22. DISCOCEPHALUS rotatorius. n. G. Rothes Meer ■£"' 1 w 2 23. Echinella splendida. n. sp. Rothes Meer ganz 24. Enchelys pupa? (Ench. fareimen Müller?) (Condylost. afrum Symb.) 1 ni 24 ■ Oase des Jupiter Amnion (Siwa) 25. Fragilaria bipunetata. n. sp. 1 g . . j. £ ^ ^ _ ^ m (Bacillaria bip. Symb.) J ^ ' ' * 32 24 26. m~ultipunctata.YL.sr>.} _. . ,, TT ,.'x^", , ,"„, \ f Sinai (Wadi Esle) J-'" (Bacillaria multip. Symb.) J u 27. diophthalma. n. sp. "| _ , " . „, 1 \ > Rothes Meer 4J" (Bacillaria dlophl. Symb.) ) öu 28. HYDRIAS cornigera. n. G. Oase des Jupiter Ammon (Siwa) -fa'" 29. ICHTHYDIUM Podural 1 _ , }■ Doneala -A ' (Dlurella Pod. [Bor/\ Symb.) J ° 24 30. Kolpoda cucidlus Müller. Tor am Sinai (in Pfefferaufgufs) -£%" 31. Lepadella emargina ta. n. sp. Sinai (Wadi Esle) 4/'* 32. Monas alomus Müller. (Monas lens Symb.) \ Ägypten (Bulak bei Cahira) .... ^" 33. glaucoma. n. sp. 1 fDongala l.iO (Volvox. glaucoma Symb.)) (.Oase des Jupiter Ammon (Siwa) -g^" r/r KDonga Oase ( 34. termo Müller. 35. Monocerca Battus? (Trichoda Ratlus Müller. Ratlulus sinaiticus Symb.) Oase des Jupiter Ammon (Siwa) j^" Tor am Sinai (in Pfefferaufgufs) ^4"' Sinai (Wadi Esle) ^" Sinai (Wadi Esle) . \ rn 16 der Infusionsthierchen in Nord- Afrika und lt r esl- Asien. 17 Grüfte nach Pariser Linieo. 36. MONURA Colurus. n. G. } Adriatisch.es Meer bei Cattaro . . 4i " (Colureila adriatica Sjmb.) L." 38 inierrup«*. u. *?. . g^. ^j. ^ , , ,„ (Bu " Ägypten |g Dongala (in der Festung "j t „, 37. Navicula fustformis. n. sp. 1 g inai (Wadi Esl * , , (Baciliar.fusiform.Symb.)) v ' " ifemy,/*. n. sp. j ^ Bacillaria mterr. Sjmb.) ) 39. Paramaecium Chrysalis Müller. (Burjar. Chrjs. [Borj] Sjmb.\ -J Dongala (in der Festung "* et Perilricha vacillans Sjmb.J Dongala (Insel ArgO J 40. ? sinaiticum. n. sp. Sinai (Wadi Esle) %{" 41. Pandorina hralina. n. sp. 1 ~. , » m r \ Dongala ^ (Volvox globator Sjrnb.) J 42. Rotifer vulgaris Schrank? 1 o i * • tv i • l « ° \ Suckot in INubien -jg (Rotifer brachjurus Sjmb.) ) 43 erythraeus. n. sp. j g.^. j. ^ ^, (an R. macrurus juvenu ?) J 44. STYLONYCHIA? eimex. n. sp. "| V r - Trichoda dmex MüiierV\ \ Tor im Rothen Meere -^ - -£4"' Coccudina eimex Sjmb. J J hehus fcnrib? 1 Rothes Meer <„, G (Kolpoda platjura Sjmb. TL 46. Trichoda a«i«fica. n. sp. | g^ ^^ ^ (Condjiostoma as. Sjmb.) J 47 iVWm «u™. n. sp. j ^ ^ Jupiter Ammon ^^ f; „ (Condjiostoma Nas. Sjmb.) J 48. aethiopica. n. sp. Dongala \-q" ovata. n. sp. ) ■: /u 1 1 \ 1 m s f A gJP ten (Bulak) -£5 (Condjlost. ovatum Sjmb.) J "* pyruml (Kolpoda pjrum Sjmb.) 49. _ pjrrum? j g inai (Wadi Esle> p ^ (Kolpoda pjrum Sjmb.) ) X-'" 60 w 80 51. TYPHLINA viridis, n. G. Ägypten 52. Vibrio /■«#«/« Müller. Tor am Sinai in Seewasser \ 53. Vorticella ConvalUria Müller. 1 jÄgypten Tganz ^ Sr.cothumataet brevip. f"*-V]Don g ala U«» & - Ja " T& V^/ Urceolarialsraelitar. Sjmb.J) \ ° 64 7i "° c 1 8 Ehrenberg : die geographische Verbreitung 54. Vorticella arabica. n. sp. Rothes Meer 55. parasilica. n. sp. Rothes Meer %]," 56. ZOOBOTRYON pellucidiis. n. G. Rothes Meer bei Sues und Mittel- meer bei Alexandrien. ganz i' - 6" - '" Leib V" 57. ZOOCLADIUM niveum. n.G. Massaua (Insel bei Habessinien) ganz ... 5 - 3 derlnfiisionsthiercken in JS ord - Afrika und West- Asien. 19 Tabelle II. Yerzeichnifs der afrikanisch -arabischen Infusorien nach den XI Beobachtungspunkten. Adrialisches Meer bei Cattaro. Monura Colurus. n. sp. n. Mittelländisches Meer bei Alexandrien. Bacillaria Cleopatrae. n. sp. Ptolemaei. n. sp. Zoobotryon pellucidus. n. G. m. Oase des Jupiter Ammon bei Siwa. Anguxllula fluviatilis. {Vibrio ßuvialilis Müller.) Bacterium triloculare. n. sp. Cyclidium inane. n. sp. Enchel ys p'upa? Müller. Hydrias cornigera. n. G. Monas glaucoma. n. sp. termo Müller. Trichoda Nasamonum. n. sp. IV. Bulak bei Cahira in Ägypten. Bacterium simplex. n. sp. Monas atomus Müller. Paramaecium Chrysalis Müller. Trichoda ovata. n. sp. Typhlina viridis, n. G. Vorticella Convallaria Müller. V. Sues am rothen Meere. Vorticella parasitica.. n. sp. Zoobotryon pellucidus. n. G. VI. Tor am rotlien Meere. Cycliditjm glaucoma Müller. Disoma vacillans. n. G. Discocephalus rotatorius. n. G. Echinella splendida. n. sp. Fragilaria diophthalma. n. sp. Kolpoda cucullus Müller. Monas termo Müller. Stylonychia cimex. n. G. Tracheliüs lamella. {Kolpoda lamella Müller.) Vibrio rugula Müller. Vorticella arabica. n. sp. vn. Wadi Esle im Sinaigebirge. (In Tor beobachtet im Wasser von aus Wadi Esle mitgenommenen Conferven.) Amblyura serpentulus. {Vibrio serp. Müller). C2 20 Ehrenberg: die geographische Verbreitung u.s.w. AxGmt.i.VLxJIiwiatiüs. (Vibrio fluv. Müller.) Bacterium scintillans. n. sp. Closterium lunula Nitzsch. multistrialum. n. sp. Cocconema cistula. n. sp. Cyclidium glaucoma Müller. Fragilaria lipunclata. n. sp. multipunc tatet, n. sp. Lepadella emarginata. n. sp. Monas termo Müller. Monocerca Rattus? (Trichoda Müller.) N avicula fusiformis . n. sp. inlemipta. n. sp. Paramaeciüm sinailicum. n. sp. Rotifer erjthraeus. n. sp. Trichoda asialica. n. sp. pyruml (Kolpoda pyrum Müller.) IX. Insel Argo in Dar Dongala in Nubien. Cyclidium lendiforme. n. sp. Paramaeciüm Chrysalis Müller. TRicnoDA aethiopica. n. sp. X. Kasr Dongala, Festung in Dar Dongala. Anguillula inflexa. n. sp. dongalana. n. sp. Cyclidium planum, n. sp. Cycloglena elegansl n. G. Diglena catellinal (Cercaria catellina Müller.) aurita. n. sp. Ichthydium Podura. {Cercaria Podura Müller.) Monas glaucoma. n. sp. Paramaeciüm Chrysalis Müller. Pandorina hyalina, n. sp. vm. Sucliot in Nubien. Distigma planaria. n. G. Rotifer vulgaris Schrank. XI. Insel Massaua im rothen Meere bei Habessinien. Zoocladiüm niveum. n. sp. ■'•eiittiH—*— Beiträge zur Kenntnifs der Organisation der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung, besonders in Sibirien. Von C. G. EHRENBERG. 'WV*.VWW*V*W%'» [Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 4. und 18. März 1830, mit Zusätzen gedruckt am 13. August.] M, .an ist in der neuesten Zeit geneigt gewesen, eine Grenze für die klein- sten materiellen Tkeilchen aller organischen und anorganischen Körper, welche die alten Philosophen Atomen nannten, innerhalb unsers, durch optische Instrumente vergröfserten Gesichtskreises festzustellen. Die zoolo- gischen Monaden, welche in absteigendem Vcrhältnifs ohngefähr bis zur Gröfse von einem ^^ Zoll, oder ^ bis ^ Linie bekannt waren, sind zuerst, ohne Einschränkung, das einfache Material des Thierreichs genannt worden, aus dessen Aneinanderfügen jedes Wachsen und Zeugen bestehe. Andere haben dieselbe Idee auf das Pflanzenreich ausgedehnt, und den neuesten Beobachtungen zufolge gab es freiwillig bewegte, aber von den zoologischen Monaden verschiedene, Atome oder Molecülen von der Gröfse eines j^- Q Zolles oder einer .^ Linie, welche bei sämmtlichen organischen und anorganischen Naturkörpern gleichartig zu finden seien. Die glücklich erläuternde Darstellungsweise der Chemiker nach Berzelius mag an diesem neuesten Streben grofsen Antheil haben. Robert Brown's, des verdienst- vollen englischen Botanikers letzte, darauf Bezug habende, von vielen an- gefochtene Beobachtungen sind bekannt, und werden schon durch ihre An- regung zur widerlegenden Beobachtung, wie der bekannte Schatz im Wein- berge, ihren Nutzen nicht verfehlen. Ich übergebe hiermit andere Beob- achtungen, welche jene, durch Robert Brown bei manchem vielleicht doch genäherte Idee wieder so weit in entgegengesetzter Richtung in die Ferne leiten, als sie sich zu nähern irgend geschienen. Seitdem ich nämlich im 22 Ehrenberg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation Jahre 1820 durch direkte Beobachtungen zuerst deutlich nachwies, dafs die Pilze und Schimmel, deren Entstehung bis dahin dem Walten der gene ratio aequivoca oder primitiva ganz Preis gegeben war, wirklich keimende Saamen tragen ('), was zu erweisen weder die hypothesischen Bestimmungen nam- hafter Botaniker, noch Micheli's bekannte Versuche hinreichend waren, habe ich mich noch vielfach mit Betrachtung dieser und ähnlicher kleiner Organismen beschäftigt, und ich habe sogar auf meinen Beisen mich sehr angelegentlich bemüht, ihr Verhältnifs zur Gesammtmasse der Organismen in 3 Welttheilen auszumitteln, und in einer früheren Vorlesung hatte ich bereits die Ehre, der Akademie die Besultate der mit Dr. Hemprich in Afrika und Arabien gemachten, hierauf Bezug habenden Beobachtungen vorzulegen. Obwohl ich die Schwierigkeiten einer scharfen Beobachtung und systematischen Bestimmung dieser, durch Müller 's vortreffliche Vor- arbeiten bei weitem nicht erschöpften, durch die neueren zahlreichen Zu- sätze und systematischen Umänderungen aber mehr verworrenen als aufge- klärten Formen sehr grofs fand, so war mir doch die Basis aller organischen Bildungen, und selbst des Menschen, auf der die schaffende Natur noch immerfort ihre Werkstätte der materiellen Form -Entwicklung aufgeschlagen zu haben schien, und die sie, manchem Denker und Beobachter zufolge, selbst als lebendiges Material zur Zusammensetzung höherer Lebensformen zu benutzen schien, gar zu wichtig, als dafs ich es nicht für eine der Zeit und Mühe werthe Sache hätte halten sollen, die Geheimnisse des Lebens in diesen einfachsten Formen mit Aufopferung jener zu belauschen. Die Be- sultate meiner Beobachtungen sind glücklich und zahlreich. Herrn Baron Alexander von Humboldt's Beise nach den rassischen Provinzen bis an die chinesische Dzungarei, an welcher Theil zu nehmen ich die ehrenvolle und freundliche Aufforderung erhielt, und die mitten in einem verhängnifs- vollen Kriege von Sr. Majestät dem Kaiser von Pvufsland auf das liberalste begünstigt und von allen berührten russischen Behörden auf das thätigste unterstützt wurde , gab mir Gelegenheit , wieder einen sehr bedeutenden Theil der Erdoberfläche kennen zu lernen, und ich habe dabei nicht unter- lassen, auch auf die geographischen Verhältnisse der kleinsten Formen des organischen Lebens in jenen grofsen Länderstrecken meine Aufmerksamkeit (') Nova Acta Acad. Leopold. Carol. X. Pars I. p. 157. 1820. De mycetogenesi epislola. der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 23 unausgesetzt zu verwenden. Diese neuen zahlreichen Beobachtungen aber hatten nicht nur den Erfolg, dafs ich eine ansehnliche Menge noch unbe- kannter Formen entdeckte und eine Übersicht der gesuchten geographischen Verhältnisse wirklich erhielt, sondern sie hatten den noch weit einflufsreiche- ren Erfolg, dafs sie mich durch Vergleichung meiner früher in Afrika und Europa gemachten Beobachtungen auf die Spur des Formenwechsels dieser Körper leiteten. Das regelmäfsige Zusammenleben gewisser, bisher als ver- schiedene Gattungen ganz getrennter, Formen in den verschiedenartigsten geographischen Verhältnissen erweckte in mir die Idee des Formenwechsels eines und desselben Thieres, und meine auf diesen Gesichtspunkt hinge- lenkte Beobachtung bestätigte bald die gewonnene Ansicht. In der ver- trauensvollen Aussicht, bestimmte wichtige Resultate auf diesem Wege zu erlangen, beschäftigte ich mich nach meiner Rückkehr nach Berlin von Neuem mit Beobachtung der bisher, wohl auch der Feinheit und Schwie- rigkeit der Untei-suchungen halber, fast ganz unberücksichtigten allmähligen Entwicklung dieser kleinen Organismen, und nahm auch einen schon oft vergeblich geprüften Versuch wieder auf, durch gefärbte Nahrungsstoffe den innern Bau derselben anschaulich zu machen. Diese Untersuchungen waren im nächsten Zusammenhange mit meinen übrigen Arbeiten, und so begann ich denn eine Revision sämmtlicher bei Beriin lebender Infu- sorien, die mich zu den festen Gesetzen ihrer kaum geahneten organischen Ausbildung und Form - Entwicklung leitete, welche es möglich machen, diese Formen künftig mit weit mehr Schärfe zu bezeichnen, und die, wie ich hoffe, eine Dunkelheit aufhellen helfen, welche bisher zu um so gröfseren Irrthümern führte, je mehr man geneigt war, in sie die Basis der physiolo- gischen Systeme zu legen. Da die Resultate meiner Beobachtungen mich nöthigen, einen ganz neuen Weg für die Systematik der Formen einzuschlagen, an deren Namen sich dieselben knüpfen, so würde ich unverständlich werden, wenn ich nicht die Hauptpunkte der früheren schon bekannten Systematik zuvor übersicht- lich und in Kürze beurtheilend anführen wollte. Ich gehe demnach zu einer geschichtlichen Einleitung über. Das Studium der Infusionsthiere zerfällt in zwei sehr bestimmt ge- schiedene Perioden. Die erste war die vorbereitende Periode der reinen gemüthlichen Anschauung, und währte von der Entdeckung des Microscops 24 Ehuenbero: Beiträge zur Kenn tnifs der Organisation bis zum Erscheinen der Systematik von Otto Friedrich Müller. Die Schriften dieser Periode führen zuweilen im Titel die Ausdrücke „Belusti- gungen" und „Ergötzungen," oder sie bewundern und rühmen die Kraft des Microscops, die künstliche Zusammensetzung unglaublich kleiner Naturkör- per und die Gröfse Gottes in diesen Erscheinungen, während die Gegen- stände der Beobachtung diesen Zwecken gewöhnlich untergeordnet sind. Die zweite Periode ist die systematisirende, welche mit Müller begann, und einen directen Gegensatz gegen die erstere bildet. Obwohl die Microscope seit langer Zeit sehr verbessert und noch mehr verbreitet sind, so ist doch in der letzteren Periode bis zum heutigen Tage unverhältnifsmäfsig wenig wissenschaftlich beobachtet, und noch weniger genaues Material dem über- nommenen zugefügt worden, aber desto mehr sind Speculationenund systema- tische Versuche auf die älteren Beobachtungen gegründet worden. Nitzsch ist der einzige neuere physiologische Beobachter der Infusorien unter den Deutschen geblieben, und seine von den Ausländern übersehenen scharf- sichtigen Untersuchungen über den Darmkanal und die Augen der Cercarien, und über den Formenwechsel der prismatischen Bacillarien, wurden zum Theil durch v.Baer bestätigt, welcher auch den, von Müller (p. SS.), schon cA&papilla lijalina und weiblichen Geschlechtstheil angegebenen, Mund desPa- ramaeciums als Saugnapf wieder erkannte. In Frankreich hat Dutrochet nur eine Form der Räderthierchen, aber nicht glücklich zu erläuteren versucht, Prevost und Dumas haben sich um die Kenntnifs der Verhältnisse, nicht aber um die Structur der Saamenthierchen verdient gemacht, und Duges hat nur die schon längst detaillirt beschriebene Organisation der Alchen -Vibrio- nen, durch gute Zeichnungen und Anatomieen vor Augen gelegt und bestä- tigt. In England beschränkten sich die physiologischen Infusorienbeobach- tungen ebenfalls auf die Structur der Alchen im Weitzen, welche Bauer und Home erläuterten. Da die Beobachter vor 0. F. Müller keine feste Grenze für den Be- griff der Infusionsthierchen hatten, und zum Theil Larven höherer zweiflüg- licher, oder netzflüglicher Insecten und krebsartige Schaalthiere mit unter denselben beschrieben und abbildeten, so war es nicht befremdend, dafs sie im Allgemeinen von einem Darmkanal, Mund nnd Eierstock dieser Formen sprachen , und der erste Eindruck der microscopischen Erscheinungen, welcher einen Microcosmus, im Gegensatz der mit blofsen Augen sichtbaren r- • r der Infusorien und ihrer geographischen /Verbreitung. 25 Welt festsetzte, beflügelte langezeit die erhitzte Phantasie einseitiger Beob- achter, und man bewunderte die Gefräßigkeit, List und Schärfe der Sinne der Infusionsthierchen mit vielen Einzelheiten ihrer Eingeweide, deren An- Wesenheit man später in Zweifel zog und gänzlich läugnete. Buffon hielt die Saamenthierchen und Infusorien für struclurlose, blofs belebte Materie, und der umsichtige Linne verschmähte, weil er nicht im Besitz eines guten Microscops war, und wahrscheinlich auch, weil er die groben Mifsgriffe der Beobachter sah, fast alle Resultate des Microscops. Otto Friedrich Müller, welcher gegen das Ende des 18"* Jahr- hunderts und das seines Lebens, vor nun 50 Jahren, zuerst eine systema- tische wissenschaftliche Betrachtung der Infusorien versuchte, schied zu- nächst alles Fremdartige von den Formen, welche ihm wirklich eine eigen- tümliche, bisher nicht geschiedene Gruppe der thierischen Wesen zu bilden schienen, jedoch war es ihm selbst unmöglich, eine festere Grenze für die- selbe festzustellen, als dafs er in der Vorrede zu seinem classischen Werke : Animalcula infusoria cet. p. II. erklärte, dafs er mit diesem Namen alle solche Wasserthiere verstehe, die er in den übrigen Ordnungen, besonders der 6"" Linneischen Thierklasse, welche die Würmer umfafste, nicht unterbringen könne, und hieran schlofs er die wirklichen wenigen Aufgufsthierchen, denen er keine Organisation zugesteht, deren lebendige Beweglichkeit sich aber zu der der Thiere gesellte. Eine strengere Bestimmung des Begriffs der Infu- sionsthiere hat Müller nicht gegeben. Dabei geht aus seiner sehr fleifsigen und wahrhaften Arbeit hervor, dafs es ihm im Kleinen, wie Linne im Grofsen erging, dafs er nämlich die Vorzüge des allseitig entwickelnden na- türlichen Systems erkannte, ohne in sich die Kraft zu dessen Ausführung zu fühlen. Müller sah die Wichtigkeit der Beachtung der inneren Structur der Infusorien und ihrer oft deutlichen grofsen Ausbildung ein, konnte es aber nicht über sich gewinnen, dieselbe zum Grunde einer systematischen Abtheilung und Übersicht zu benutzen. Mit Recht wundert man sich, wenn man in Müller's Werke liest, dafs er Thiere, deren Mundöffnung, Ver- dauungs- und Fortpflanzungsorgane, deren Augen sogar er umständlich be- schreibt, doch mit anderen in eine und dieselbe Gattung stellt, von denen er selbst sagt, dafs sie weder einen Darmkanal, noch die weitere höhere Aus- bildung des Körpers besitzen. Diese wichtigen Charaktere erzählt er nur nebenbei in der ausführlichen Beschreibung des Thieres. So stehen z. B. D 26 Ehrenberg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation die so hoch ausgebildeten Formen der Furcularien und Räderthiere mit den weit einfacheren Vorticellen , die auf spiralförmig zusammenschnellenden Fäden sitzen, in einer und derselben Gattung Vorlicella. Die Essig- und Flufs-Alchen, deren Darm und Lebendig- Gebähren er beschreibt, stehen mit den einfachsten Stabthierchen, an welchen er keine Spur von Organen und kaum eine Spur des Lebens erkannte, in derselben Gattung Vibrio, was noch widernatürlicher ist, als wenn man die Frösche, wegen gewisser un- läugbarer äufserer Formähnlichkeit, zu den Affen und Menschen gesellte. Ähnliche Beispiele geben die Gattungen Paramaecium, Kölpoda, Cercaria, aus deren letzteren allein der verdienstvolle Nitzsch schon im Jahre 1816, zwölf besondere Thiergattungen bildete, die der französische Gelehrte Bory de St. Vincent 1S22, ohne jene deutsche Arbeit zu kennen, ziemlich ebenso absonderte und noch vermehrte. Auf gleiche Weise verhält es sich mit der Gattung Trichoda und fast allen übrigen. Müller trennte zwar in der Vorrede zu seinem lateinischen Werke p. VII. die Infusorien, ohne äussere noch innere Organisation, von denen mit einer weiteren Avisbildung bestimmt ab, und nannte die zusammengesetzten Bullaria (wahrscheinlich der blasenartigen inneren Structur halber) , während die einfacheren den Namen Infusoria behalten sollten, allein er selbst hatte keine deutliche Vor- stellung von der Structur irgend einer dieser Formen, und spricht sich in der Vorrede p. XII. deutlich dahin aus, dafs er glaube, die Infusorien nähren sich nur vom Wasser, und dafs alle Beobachtungen, welche sich auf ein Ver- schlingen von Nahrung beziehen, obwohl er deren selbst gemacht habe, nur aus der strudelnden, durch die Wimpern der Vorticellen erzeugten, Wasser- bewegung, und aus einer Neigung zum Tasten und scheinbaren Nagen der Trichoden entstanden und auf Täuschung beruhe, dafs alle in den Strudel gezogenen Körperchen aus demselben wieder herausgeworfen werden, und er nie das wirkliche Verschlingen eines noch so kleinen Thiferchens oder Kör- perchens beobachtet habe. Aus diesem Grunde hielt Müller nicht für rath- sam, Beobachtungen von inneren Organen zur Basis für.seine Systematik zu benutzen, sondern er bediente sich nur der Verschiedenheiten des Äufseren zu Abtheilungen. Auch haben die späteren Schriftsteller den Namen Bulla- ria, gleich dem Autor desselben, gar nicht berücksichtigt, obwohl man die' beiden von Müller vorgezeichneten Abtheilungen mit anderen Grenzen umschrieben und anders benannt, wirklich eingeführt hat. So überliefs der Infusorien und ihrer geographiscfien Verbreitung. 27 O. F. Müller, indem er 378 Arten von Infusorien feststellte, und diese nach dem Mangel oder dem Dasein äufserer Organe, und nach der Kör- perform in 2 gröfsere Gruppen (Familien) und in 1 7 Gattungen vertheilte, hei seinem Tode im Jahre 1785 diefs Feld der Wissenschaft den späteren Forschern. Als Systematiker benutzten hierauf Gmelin, Lamarck und Cuvier das gegebene Material ohne eigene Beobachtungen, pafsten es, der erstere seinen litterarischen Sammlungen, die letzteren den ihren Systemen zum Grunde liegenden Ideen an, und trugen zur Befestigung und Verbreitung der neuen von L i n n e verschmähten Lehre mehr, als zu deren weiterer Aus- bildung bei. Einige wenige zweifelhaft neue Formen fügten im Jahre 1S02 die französischen Gelehrten Girod Chantran und Bosc hinzu, aber einen neuen lebendigen Anstofs erhielt die junge Wissenschaft erst durch den ehr- würdigen Baier von Paula Schrank, welcher im Jahre 1S03 im dritten Theile der Fauna boica 6S neue Infusorienarten beschrieb, und die bekann- ten in 4 Gattungen mehr zertheilte, wie er es schon durch frühere Abhand- lungen vorbereitet hatte. Nicht in gleichem Maafse ward aber durch Schrank die anatomisch -physiologische Kenntnifs dieser Thierformen befördert, son- dern es leiteten ihn dieselben Principien, welche Müller befolgte, und die äufsere Form bildete überall den Hauptcharakter der Thiere, deren Structur und Entwicklungskreise ihm unbekannt blieben. Treviranus Biologie 2. Th. nahm 1803 den Kampf der Partheieu über die generalio spontanea, welcher der scharfsichtige Müller anfangs ab- hold war, dann aber seine Stimme auch zuertheilte (Anim. infus. Praefatio adjinem.), lebhaft wieder auf, und entschied sich dafür, dafs besonders die Infusorien den Beweis liefern, dafs es Organismen gebe, welche nicht aus Eiern oder Keimen entstehen , und dafs jedes Individium der organischen lebenden Körper nach dem Tode in andere und namentlich diese infuso- rischen Lebensformen übergehe, dafs hingegen aus anorganischen Stoffen nie lebende Organismen hervorgingen. — Dafs es im Allgemeinen eine un- zerstörbare lebensfähige Materie und Lebenskraft gehe, welche erstere, an sich formlos, auf äufsere Einflüsse unaufhörlich sich in wechselnde Formen gestalte. — Diese mit eigenen Beobachtungen vermehrte Zusammenstellung der bisherigen Erfahrungen und Meinungen, mag wohl mit erweckend auf D 2 28 Ehrenberg: Beiträge zur Kenntnijs der Organisation die Ideen gewirkt haben, welche 2 Jahre später Oken in seinem Buche von der Zeugung weit bestimmter aussprach. Oken erklärte im Jahre 1805, wie es schon Buffon that, die Infu- sorien geradehin für das Material aller organischen Körper, hielt sie aber nicht, wie Buffon, für blofse structurlos belebte Materie, sondern für wirkliche höchst einfache Thiere, und unterscheidet sich von Treviranus besonders darin, dafs er nicht die Infusorien als erste animalische Ent- wicklungsstufe der belebten formlosen Materie ansieht und dieser in den Schimmelformen eine erste vegetative Entwicklungsstufe zur Seite stellt, sondern er hält sie für die Materie aller organischen, sowohl animalischen als vegetaiblischen Körper selbst, welcher in ihrer Einfachheit die Form und Natur des Infusoriums zukomme, und so erklärt er denn alles Wachsen für einen Zusatz, alles Abnehmen für ein Entweichen von Infusorien. Diese Ansicht ist besonders deshalb nicht haltbar, weil der Grundsatz, dafs die Infusorien durch Vereinigung mehrerer Individuen neue Körper bildeten, von der Erfahrung nicht bestätigt wird. Zwar bilden sich durch willkühr- liche Vereinigung mehrerer Individuen zuweilen Haufen, aber diese Haufen lösen sich auch wieder in Individuen auf, und verschmelzen nicht weiter zu gröfseren Formen. Im Jahre 1812 wurden Dutrochet's Beobachtungen über die Stru- ctur der Bäderthierchen in die Annales du Museum zu Paris, in den XTX. Band aufgenommen, und sie bildeten eine Zeit lang die Basis für die Systematik dieser Formen, obwohl sie mehr ideal als naturgemäfs sind, und Schaeffer's und Müller's Beobachtungen über mehrere Formen derselben nicht errei- chen. Sowohl Lamarck als Savigny, Cuvier und Schweigger schenkten ihnen Vertrauen. Nur wiesen die Systematiker die beabsichtigte Stellung zu den Mollusken zurück. Es folgten hierauf neue Versuche zur systematischen Anordnung der Infusorien. Im Jahre 1815 trennte Lamarck in seinem Werke : Hisloire naturelle des animaux sans verlebres, die Infusorien in 2 Thierklassen. Er entfernte die einfacheren, ohne Spur einer Organisation (wie er es sich irrig dachte), zu einer eigenen ersten (niedrigsten) Thierklasse, und die mit äu- fsern oder inncrn Organen versehenen stellte er als erste Ordnung in die zweite schon zusammengesetztere Thierklasse der Polypen. Diese Abthei- lungen, so richtig ihre philosophische Basis war, sind jedoch nicht weniger der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 29 naturwidrig, als die von Müller. Einerseits hat Lamarck jene Thiere für einfach und structurlos gehalten, die es gar nicht sind, und andrerseits hat er hei den Unterabtheilungen nicht dieselbe Strenge in der Anwendung der philosophischen Grundsätze beibehalten, und nicht ebenfalls die sichtbare und von den Beobachtern bestätigte gröfsere oder geringere innere Organi- sation zur Basis derselben benutzt. Er stellte die Yorticellen u. s. w., deren gröfsere Einfachheit er zugesteht, in die Nähe der Brachionen, und wenn er auch durch Zweifel die Kauorgane der letzteren zu entfernen suchte, so blieben doch die grofsen Eier, welche noch andere Organe nothwendig machten. Um den Fehler der Inconsequenz gut zu machen, beging er den andern, und erklärte die Eier für Gemmen (IL p.33.), obwohl Corti das Ausschlüpfen der Jungen aus der Eischaale schon längst beschrieben und abgebildet hatte. Die zu den ferneren Abtheilungen gewählte äufsere Kör- perform sammt den äufseren Organen, leiteten zu denselben Irrthümern, welche Müller begangen hatte. In gleichem Jahre erschien Oken's Handbuch der Naturgeschichte. Da findet man die Infusorien als die erste Ordnung der Geschlechtsthiere, oder der ersten Thierklasse, nach einem eigenen philosophischen Princip in viele Gattungen zerspalten, deren Eigenthümlichkeit nicht selten ideal ist. Besonderes Gewicht wird auch hier auf die generalin primitiva und die Ver- bindung kleinerer zu gröfseren Formen gelegt. Die philosophische ernste Consequenz hat der Natürlichkeit geschadet, aber die Organisation ist, so weit sie deutlich bekannt war, besser als von den früheren Systematikern beachtet worden. Einige Formen sind mit richtigem Vorgefühl zu neuen Gattungen erhoben worden, in andern Fällen ist dies weniger glücklich ge- schehen. Vibrio aceti ist, dem wissenschaftlichen Bedürfnifs gemäfs, von der Gattung Vibrio gesondert, und nur zu hoch, in die Gattung Gordius, gestellt worden. Eigene Beobachtungen von systematischem oder phvsiolo gischem Einflufs sind über diese Thiergruppe nicht daselbst mitgetheilt wor- den, und die Benutzung besonders des von Müller gegebenen Materials hat auch die Mehrzahl von dessen Irrthümern herbeigeführt. Georg Cuvier, welcher in seinem bekannten classischen Werke: Le regne animal distribite d'apres son Organisation, im Jahre IS 17. vier grofse Ab- theilungen des Thierreichs annahm, theilte die Zoophyten, als die vierte einfachste Abtheilung, in 5 Klassen. Die fünfte Zoophyten -Klasse und die 30 Ehrenberg: Beiträge zur Kenntmjs der Organisation letzte des ganzen Thierreichs bilden bei ihm die Infusorien. Diese werden in 2 Ordnungen getheilt, deren erste die noch mit vermuthlichem Darm- und andern inneren unbestimmten Organen versehenen Räderthierchen un- ter dem Namen Rotiferes umfafst. Cuvier ertheilt, Savigny's Bestätigung der Du t röchet sehen Beohachtungen zufolge, dieser Gruppe rücksichtlich des Darmkanals die Structur der Ascidien, als ob der Mund hinten im Grunde der Scheide (bei Tuhicolarid) läge, die Analöffnung aber sich vorn befände. Die Räderorgane hält er für vermuthliche Respirationsorgane. Die zweite Ordnung ist überschrieben : Infusoires homogenes, um sie als einen Sammelplatz der, wie er glaubt, proteischen und chaotischen Formen der übrigen Infusorien zu betrachten, über deren Wesen er sich nur zweifelhaft äufsert, denen er aber weder Eingeweide noch einen Mund zugesteht. Es sind dieselben Formen, von denen mir gelungen ist nachzuweisen, dafs alle eine Mehrzahl von Magen, einige bis 120 besitzen. Je unsicherer die Basis war, auf welche bis dahin die Systematiker bauten, und je ungenügender mithin die systematischen Versuche, selbst für Combinationen ausgezeichneter Naturforscher ausfielen, desto wichtiger und dankenswerlher war der Beitrag zur Infusorienkunde von Nitzsch, Professor in Halle im Jahre 1816. Es wurde durch diese Untersuchungen festgestellt, dafs die Cercarien Müller's (eine Gattung von Infusionsthierchen), so ganz verschiedenartige Thiere umfasse, dafs dieselben von Nitzsch in 12 Gattungen vertheilt wurden. Dafs Wichtigste aber war, dafs bei den eigent- lichen Cercarien von ihm ein Darmkanal mit Mundöffnung und 3 schwarzen augenälmlichen Punkten, mit grofser Wahrscheinlichkeit nachgewiesen wurde. Auch bei Cerearia viridis (welche ich später als zur Gattung Euglena gehörig, bezeichnet habe), sah Nitzsch das Auge zuerst. Hieran schlössen sich nicht minder wichtige Beobachtungen über die bisher ganz verkannte Form der Bacillarien, wobei der sehr verdienstvolle Verfasser nur auf die weniger glückliche Idee verfiel, als gebe es pflanzliche und thierische Körper, die in eine und dieselbe naturhistorische Gattung gehörten. Vielfache eigene Erfah- rungen haben mir gezeigt, dafs die als unbeweglich, also pflanzlich, ange- sehenen Bacillarien sich ebenfalls bewegen und sich ganz an die Natur der übrigen anschliefsen, und dafs die ganz unbeweglichen nur abgestorben sind. Im Jahre 1810 und lS20theilte Schweigger, damals Professor in Kö- nigsberg, sehr interessante Zusammenstellungen und Beobachtungen über die der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 3 1 niederen Thiere mit. In seinem Buche Beobachtungen über natur- historische Reisen sowohl, besonders in den dazu gefügten Tabellen, als auch in seinem Handbuche der Naturgeschichte der skeletlosen Thiere, trennt er die Klasse der Zoophyten, welche Lamarck's Polypen- klasse mit Zusatz der Infusorien entspricht (s. p. 236.), in 2 Ordnungen. Die erste enthalt Thiere, welche aus einer einfachen Substanz gebildet sind, die andere solche, welche aus wenigstens 2 verschiedenen Substanzen gebil- det werden, wie z. B. die Corallen. Jene erste Ordnung der homogenen Thiere theilt Schweigger in 6 Abtheilungen, von denen 4 von Müller's Infusorien erfüllt sind, während 2 den kleinen weichen und nackten Arm- polypen angehören. Fast sämmtliche Müllersche Infusorien gehören aber, wie bisher, als structurlos zu der ersten Abtheilung ; die zweite, welche für zusammengesetzte gliedlose Thierchen bestimmt ist, enthält nur die Essig- älchen, nach der sebon bekannt gewesenen, zuerst von Oken gewürdigten Struclur, nebst, den Cercarien, welche, wie sie Nitzsch kennen gelehrt hatte, Augen und Darmkanal zeigen. Die dritte Abtheilung enthält einige behaarte von ihm unrichtig beurtheilte Thierchen ohne Räderorgane, und die vierte Abtheilung umfafst die Räderthierchen mit den Schild führenden Brachionen. Diesen Schweiggerschen Abtheilungen, woran sich im Handbuche eine ungemein fleifsige Zusammenstellung aller physiologischen Beobachtun- gen bis auf seine Zeit knüpft, liegt eine erfahrungsvolle Anschauung und eine physiologische Ansicht zum Grunde, mit welcher er, die Kenntnisse seiner Vorgänger benutzend, die wahre wissenschaftliche Ansicht dieser Thierfor- men förderte, obwohl er den wahren Bau der Infusorien bei weitem nicht erschöpfte, ja oft auch nicht ahnete. Rücksichtlich der Ernährung und Fortpflanzung sagt Schweigger p.245. des Handbuchs; „Infusorien be- stehen blofs aus Schleim ohne irgend ein inneres Organ. Die Ernährung kann daher nicht anders, als durch die Oberfläche geschehen. Dieselbe Er- nährungsweise haben auch die Infusoria vasculosa, ohne jedoch darauf be- schränkt zu sein. An einigen (Cercarien nämlich) sah Nitzsch eine Saug- mündung u. s. w." Rücksichtlich der Fortpflanzung sondert Schweigger die Entstehung der Infusorien von ihrer Vermehrung, als 2 geschiedene Be- griffe, ab, er sagt p. 267: „Infusorien sind organische Materie, welche bei Desorganisation thierischer, oder vegetabilischer Körper frei wird, je nach 32 Ehrenberg: Beiträge zur Kennlnijs der Organisation dem Grade des in ihr befindlichen Lebens und der Art ihrer chemischen Mischung, kommt sie als Infusorium von dieser oder jener Gestalt zum Vor- schein. P. 275. desselhen Werkes nimmt er als Beobachter doch die Bildung organischer Körper aus Infusorien an. Über die Vermehrung sagt er p. 249 : ,, Ungekünstelt scheint jede Vermehrung der Infusorien als freiwillige Zer- stückelung betrachtet weiden zu können, entweder der äufseren Suhstanz, wie bei der Trennung der Paramaecien und Bacillarien, oder der inneren Sub- stanz, wie bei Vibrio und Volvox." (Hieraus erkennt man, wie wenig deutlich seine Idee in Betreff der Structur des Vibrio war). Die ovalen Körper in den Paramaecien hält Schweigger p. 250. ,, nicht für Eier (wie die frühern es thaten), weil keine Befruchtungsorgane da sind, sondern für zweifelhafte Körper, die nach dem Tode der Paramaecien als Infusorien andrer Art fort- leben." Ich werde zeigen, dafs die Körper, von d-enen Schweigger spricht, die Magen der Paramaecien sind. Im Jahre 1820 vereinigte Goldfufs in seinem Handbuche der Zoo- logie die Essigale wieder mit den Vibrionen, und that demnach den Schritt wieder zurück, welchen man vorwärts gethan hatte, überdies bildete er nach den Abbildungen der früheren Beobachter einige neue Gattungen, und er- klärte mit Schweigger die Bläschen im Innern der Paramaecien und andern Infusorien für eigene zur Bildung jener Thiere gehörige Monaden, welche nach dem Tode jener ihr selbstständiges Leben lebten. Ich erwähne noch die Ansichten und Arbeiten ausländischer Natur- forscher neuerer Zeit. Matteo Losano beschrieb im Jahre 1823 eine grofse Zahl neuer italienischer Infusorienformen in den Abhandlungen der Akademie zu Turin im XXIX. Bande. Die Gattung Proleus, von welcher Müller zwei, und Schrank 4 Arten verzeichnet hatten, ward zu 69 Arten erweitert, und die Gattung Kolpoda, von der Müller 16 Arten beschrieb, und die seitdem nicht vermehrt, sondern durch Entfernen einiger Formen in andere Gat- tungen vermindert worden war, erweiterte Losana zu 64 Arten. Leider zeugen die ganz unbrauchbaren Abbildungen, dafs der Verfasser dieser Ar- beit jede ganz unbedeutende Formverschiedenheit für Art- Charakter hielt, und weder von der Entwicklung dieser Thiere, noch von ihrer Structur richtige Ansichten hatte. der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. J'J Im Jahre 1S24 sprach Nitzsch sich im Artikel Brachionus in der En- cyelopädie von Ersch und Gruber dahin aus, dafs diese Infusorien in ihrer Structur den Entomostracis glichen, was einen Gegensatz gegen Savigny's Beobachtungen bildet, aber der Wahrheit mehr gemäfs ist. Im Jahre 1825 erschien wieder ein eigentümlicher systematischer Versuch von Latreille, dem verdienstvollen Entomologen Frankreichs. Latreille theilt nicht mit Cuvier das ganze Thierreich in 4 Hauptreihen, sondern nur in 3. Der dritten Reihe, welche die niedrigsten Thiere uni- fafst, giebt er den Namen Acephala, kopflose Thiere, weil er meint, es fehle allen bisher als Entozoen, Echinodermen, Acalephen, Polypen und Infusorien verzeichneten Thieren, wenn auch von jenen einige hie und da Spuren von Nerven zeigten, doch ein eigentliches Hirnganglion. Er rech- net zu diesen auch die Ascidien. Diese Reihe der Acephalen theilt Latreille in 2 Racen, deren erste er, weil sie sich durch eigentliche Verdauungsorgane charakterisirt, Gastrica nennt. Die Animalia gastrica werden in S, in 3 Verzweigungen geschiedene Klassen getheilt. Die achte Klasse, welche der dritten Verzweigung, oder den Pflanzenthieren angehört, hat 2 Ordnungen. Die erste enthält die Arm- polypen, wozu die Seefedern und eigentlichen Corallenpolypen gehören, und die zweite ist nur für Räderthierchen oder Infusorien bestimmt, welche einen Darmkanal haben sollen. Die Anordnung ist ganz der ähnlich, die Schweigger mit dem Namen Monohjla ciliala belegt hatte; Latreille nennt sie aber Trichosioma. Die übrigen Infusorien, welche nicht Räder- thiere sind, also bei weitem die Mehrzahl der Formen, trennt Latreille ganz ab und stellt sie als zweite Race der Acephalen an das Ende des Thier- reichs, mit dem Namen Agastrica (magenlose Thiere), und bezeichnet sie folgendermaafsen: „Diese Thiere sind sehr einfach; sie zeigen keine Spur eines Darmkanals, und daher auch weder Mund noch Analöffnung. Ihre Ernährung geschieht durch Aufsaugen mit der Haut. Man kann sie mit be- lebten und beweglichen Eiern vergleichen, oder mit Pflanzenzellen, welche einen thierischen Charakter tragen." Die Essig -Alchen und Cercarien wer- den rücksichtlich ihrer Ausbildung nicht beachtet, ebenso werden die vielen zerstreuten Beobachtungen über die Structur einzelner anderer Formen mit Stillschweigen übergangen. Bei den Thierchen, welche Herr Latreille E 34 EnRENBEftG: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation magcnlose Thiere (dgaslrica) nennt, sind, wie ich schon erwähnte, bis 120 Magen zu erkennen. Zuletzt hat sich Herr Bory de St. Vincent der Systematik der In- fusorien sehr ausführlich, aber nicht eben glücklicher angenommen. Das neueste allgemeinere ist von ihm 1826 im Dictionnaire classiqiie mitgetheilt worden. Er zieht für die Infusionsthiere den schon öfter, auch von Müller, verworfenen Namen Microscopiqites vor, sieht sie als eine eigene zusammen- hängende Klasse der Zoophyten an, und theilt dieselben Thiere, welche Müller in 2 Familien und 17 Gattungen vertheilt hatte, ohne durch neue Beobachtungen ihre Anzahl bedeutend gemehrt zu haben, in 5 Ordnungen, 1 7 Familien und 82 Gattungen, je nach der Anwesenheit und Verschieden- heit der äufseren Organe und der Körperform. Von der ganzen Klasse giebt der, als fleifsiger Schriftsteller sehr bekannte Verfasser dieser Arbeit fol- gende Kennzeichen an, welche ich mit einigen Bemerkungen begleite : Bory. Infusorien (Microscopiques) sind : dem blofsen Auge unsichtbare, mehr oder weniger durchsichtige Thiere — ohne Glieder (jnembres) — an denen man bisher weder wahre Augen, noch selbst deren Spuren erkennen konnte — Sie können sich in allen Theilen oder in einzelnen Theilen zusammen- ziehen — haben sichtlich einen Tast- sinn — ernähren sich nur durch Aufsau- gung - Bemerkungen. Nicht wenige Arten sind mit blofsem Äuge wirklich deutlich sichtbar. Viele haben schwänz - und halsformige Kür- pertheile, auch andere äufsere Organe, die man kaum anders als Glieder nennen kann z. B. das männliche Organ im Nacken der Räderthiere, welches bei einigen doppelt ist, und die Räder- organe. Viele besitzen deutliche Augen von 1 bis 12 an Zahl, meist mit rothem Pigment, meist 1, 2 und 4. Die Ernährung ist wahrscheinlich nirgends durch Aufsaugen, Iäfst sich bei der Mehrzahl aber durch ein bestimmtes Schlingen mit ei- nem Munde nachweisen. der Infiisorien und ihrer geographischen Verbreitung. 35 ihre Erzeugung scheint sich durch Die Fortpflanzung der Art geschieht wahr- rru -i ] * ™ n ,f an potius plantaer sphaerula. nov. sp. J 2 species. Sectio II. VIBRIONIA. Elongata, in se nunquam contracla. a) corpore (llifonni cylindrico undatira llexili (in multas partes tiansverse dividuo): Vibrio badllus Müller. Hneola Müller. rugula Müller. 4 species. b) corpore filiformi rigido spirali : SPIRILLUM volutans. Vibrio spirillum Müller. undula. Vibrio undula Müller. 2 species. c) corpore oblongo, fusiformi aut filiformi (tereti aut triquetro nee quadrangulo) aperte un- dalim non llexili, nee spirali: Bacteriüm. nov. Gen. — Haec genera, Oscillatoriis valde affinia, ore nulriri nondum vidi. 11 species. Sectio III. ASTASIAEA. Elongata, enntractione poljmorpha ; Qongiludinaliter dieidua [Eugl. acus^\) a) oculorum rudimento nullo: ASTASIA euchlora. nov. 4-6 species. )v. Gen.l l t 0s al. sp. J h Omnibus distinetum. haematodes. der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 59 OlWO I. Nucla. OiWO II. Lorkata. b) ciliorum ordine longitudinali: ?Ctclidium glaucoma Müller ('). k species. FAMILIA IE. PSEUDOPODIA. FAMILIA I. Corpore proteo, processibus pediformlbus variabili. Sectio V. AMOEßAEA. Sectio I. BACILLA.RIA. cum lorica dividua ( 2 ). Amoeba dijßuens. Proteus diffluens Midi. radiosa. nov. sp. processibus acutis radiatis. 2 species. b) ocidorum rudimento distincto: EUGLENA viridis. Cercaria viridis Müller. \ acus. T'ihrio acus Müller. \ Os Omnibus distinclum. pleuronectes. Cercaria pleuronectes Müller. J 6 species. , (') Hieran schliefsen sich die Gonia und Vohoces , deren äufsere wirbelnde Behaarung deutlich ist, wie folgt: c) ciliis ubrcjue sparsis : Pantotricuum volvox. nov. Gen. 1 species. B) pullis internis conspieuis. a) corpore compresso (quadrangulo): GONIUM pectorale Müller. 2 species. h) corpore globoso : Volvox globator Müller. 1 species. ( 2 ) Da es scheint, als existirten keine den 2 ersten Familien der nackten Magenthiere ent- sprechende Formen hei den gepanzerten, so bilden die Pseudnpodia loricata die erste Familie dieser Ordnung, und den Anfang würden die Bacillarien gehen, deren äufsere Bewegungs- organe durch veränderliche, aus einer seitlichen Längsspalte hervorgeschobene kleine Papillen gebildet werden, welche an die proteischen Veränderungen der Difßugia erinnern. Obwohl sich meine fruchtbaren Untersuchungen dieser Section bis jetzt nur auf die Gattung Navicula beschränken, so erlaubt doch einerseits die Ähnlichkeit der Formen, andererseits fordert das von mir gegebene, sonst unverständliche geographische Verzeichnifs, die systematische Über- sicht derselben hier anzuschliefsen. Offenbar sind mehr Gründe, diese Körper für unvoll- kommen beobachtete Thiere, als für vollkommen beobachtete Pflanzen zu halten. H2 60 Euren berg: Beiträge zur Kenntrüfs der Organisation Ordo I. Nuda. Ordo II. Loricata. Sectio II. ARCELLINA. lorica non dividua. a) lorica urceolata ('): b) lorica scutellata: Arcella vulgaris, nov. Gen. dentata. al. sp. aculeata. al. sp. 3 species. BACILLARIA. J) lorica liivalvi quadrangula, dorso longiludinaliter dividua: a) libera solitaria aut gregaria; NAVICULA; b) libera concatenata catenulis polymorphes : BACILLARIA ; c) libera fasciatim concatenata, nee polymorpha, dein diffraeta: Fragilaria ; d) libera apoda radiata (flabelliformia) : Exilaria ; e) affixa sessilia ; Synedra. nov. Gen. y) affixa pedicellata saepe dichotoma, apice dilatata; GOMPHOKEMA; g) affixa pedicellata saepe dichotoma, basi apiceque contraeta : Cocconema. nov. Gen. /;) affixa pedicellata radiata (flabelliformia): EcHIiSELLA ; B) lorica univalvi lereti, transverse in duas quatuorve partes dividua: Closterium; In welchem Zusammenhange einige Seealgen: Gimdclla, Schiznnema, Micmmega caet. mit Navicula stehen, ist durch genauere Beobachtungen erst auszumitteln. In demselben Falle sind einige kleine Süßwasser -Algen. Die bisherigen Beobachtungen sind noch in ihren Syste- men zu befangen. (') An diese Formen der Bacillarien schliefst sich Difflugia, bildet aber mit einer neuen Form durch einen physiologisch wichtigen Charakter (siehe oben) eine eigene Section der Familie unter dem Namen Arcellina, wie folgt: a) lorica urceolata: Difflugia proteiformis Le Clere. 2 species. b) siehe oben. Von allen Formen dieser Familie ist es mir bisher nur gelungen, sämmtliche Arten der Gat- tung Arcella zur Aufnahme von Nahrung und ihre innern Ernährungsorgane zur Anschauung zu bringen. Vergl. Tab. I. der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. üi B. E1STER0DELA. tubo Intestinal! perfecto (orc anoque tcrminato) polygastrico. Ordo I. Nuda. Ordo II LoHcata. Familia IV. ANOPISTHIA. ) corpore ciliato: Y.eucophuys patula. Trick, pat. 31. piriformis, n. sp. 1spathula.Ench.spath.M. 3 species. Familia VI. ALLOTRETA. Familia in. Ore anove Lerminali. Sectio VIII. TRACHELINA. S e c t i o I V. ASPIDISCINA. A) ore inermi infero: AsPIDlSCA LjnceUS. Trich. LyilC. M. a) labio superiore praelongo (subae- 1 species. quali, colli formam refercnte): Trachelius fasciola. Vibr.fasc. M. anas. Trichoda anas M. ambiguus. Trich. amb. M. 4 species. b) labio superiore brevi dilatato obliquo: Loxodes cucullulus. Kolpoda cucullulus M. rostrum. Kolp. roslrum M. A species. B ore uncino suffulto, (infero): Glaucoma scinlillans. nov. G. 1 species. der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 63 Ordo I. Nuda. Ordo II. Loricata. Familia VII. KATOTRETA. Familia IV. Nee ore, nee ano terminali. Sectio IX. KOLPODEA. Sectio V. EUPLOTA. Nuda aut ciiiata. Euploea Charon. Trich. Char. M. A) proboseide brevi inermi: 1 species. a) corpore partim ciliato: , r ,, -nr-n EuPloeae nonien aputl Lepidoptera non Kolpoda cucullus Müller. T ... r . „ . Ren Müller. 2 species. b) corpore ubique ciliato : turgido : Paramaecium Chrysalis Müller. Aurelia Müller. 2 species. B) proboseide nulla: Amphileptüs anser. Vibrio anser M. Meleagris. Kolpoda Meleagr. M. suseeperunt Latreille et Godart; Ploescomam grammatici arcent. 2 species. Sectio X. OXYTRICHINA. Setosa aut uncinota. a) uncinis stylisque nullis: Oxttricha pellionclla Bory. piscis. Trich. piscis M. pullaster. Kerona pull. M. 4 species. i) uncini; styli nulli: Kerona pustulata Müller. 1 species. c) styli; uncini nulli: Urosttla grandis. nov. Gen. Trichoda palens M. ? 2 species. d) uncini stylique: Stylontchia Mytilus. Ker. Myt. M. hislrio. Kerona histrio M . 2 species. 04 Ehrenberg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation PHYT0Z0A. Classis II. ROTATORIA ( 1 ). Animalia evertebrata radiata apoda saepe caudata, ciliis peciüiaribus rotairtia. Ganglia nervea pharyngea plura (cur non cerebalia?) ; annulus nerveus nuchalis et nervus abdominalis in maioribus conspicua. Saepissime oculij pigmento laete rubro. Canalis alimentarius distinctus simplex; ventri- culi species nonnullis, appendices coecae apud alia. Pharynx saepius raa- xillis armatus, nonnunquam dentigeris. Vas dorsale immobile (reticulatum-?) ramosum. Succi corporis pellucidi. Hermaphrodita. Ovipara et vivipara, nee sponte dividua. ORDO I. Nuda. Ordo II. Loricata. Famima I. MONOTROCHA. * Ciliorum Corona simplici integra: Sectio I. ICHTHYDINA. Sectio I. STEPIIANOP1JSA. 2?) coeca: A) coeca: u) dorso glabro: a) cauda simplici : Iciithtdium Poditra. Cercar. Pod. 31. Monura colurus. nov. Gen. (Furcocerca vox krbrida). 1 species. b) dorso setoso: Chaetonotüs larus. Trich. larus 31. brevis. n. sp. 2 species. 1 species. b) cauda furcata: Colurus uncinalus, Brachiomis unci- nat. 31. 'Colurclla vox hyhr'uhi). licuspidalus. n. sp. 2 species. B) oculis duobus: Stephanops lamellaris. Brachionus la- mell. 31. 1-2 species. (') Ich würde nicht dazu rathen, die Eingeweidewürmer, deren Structur nach diesen Beob- arhlungen einfacher als die der Räderlhierchen erscheinen könnte, als zu einer tieferen organi- schen Reihe gehörig anzusehen. Herrn Rudolphi's klassische Leohachlungen haben es schon der Infusorieu und ihrer geographischen Verbreitung. 65 Ordo I. JSuda. Ordo IL Loricata. Familia H. SCHIZOTROCHA. Clliorum corona simplici laciniatim constricta variabili. Sectio IL MEGALOTROCHAEA. Sectio IL FLOSCULARIA. Ä) oculo unico: Ä) coeca: MlCROCODON clav US. nov. Gen. a ) gelatina corpus involvente : 1 species. et) organo rotatorio bilobo et B) oculis quatuor: subquadrilobo: Megalotrocha alba. nov. sp. Lacinülaria socialis Oken. 1 species. * species. • ß) organo rot. multifido: Floscularia ornata. Floscul. Oken. ciliis longissimis eleganter ornata. 1 species. b) vagina corporis membranacea: Melicekta ringens Schrank 1803. Tubicolaria Lamarck 1815 (*). 1 species. FabuxiaIH. polytrocha. Quorum coronulis pluribus. Sectio m. HYD ATINA. Sectio III. EUCHLANIDOTA. Ä) coeca: A) coeca: a) simplicia: Lepadella ovalis. Brachion. oval. M. a) maxillae dentatae: ^ Bq1j Hydatina senta. Vorticella senta 31. 1 spect - es . so festgestellt, dafs diese Thiere eine sehr ausgebildete Structur besitzen, dafs hierüber kein Zwei- fel sein kann, wahrscheinlicher hat die Beobachtung sie hie und da noch weiter zu entwickeln. (') Die Structur dieses ungemein niedlichen Thieres ist ganz anders, als sie durch Du- trochet angegeben ist. "Was Dutrochet und Savigny für After halten, ist der Mund, seitlich am Grunde des Räderorgans, und der letztere hat vielleicht gerade zu, umgekehrt wie- der, den After an der Basis des Schwanzes für den Mund gehalten. Ich habe das Thicrchen mit blauer Farbe genährt, und mich so vollkommen über beide Punkte überzeugt. Was Dutrochet für 2 gestielte Augen hielt, sind 2 männliche Glieder im Nacken und auf der Bauchseite hat es vorn am Anfange der Mundspalte 2 harte Spitzen, wie etwa Salpina (Bra- chionus mucronatus Müller) und ähnliche. Das Räderorgan ist einfach, vierlappig mit einer doppelten Reihe von Wimpern besetzt, in deren Zwischenräume die Speise zum Munde fortbe- wegt wird. Der Schlundkopf hat 2 Kiefer, deren jeder 3 Zähne trägt. Darm und Eierstock sind wie bei Hydatina. Der lange Schwanz ist ohne Zange, was die ganze Familie der SchUo- trocha charakterisirt. I 66 Ehrewberg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation ÖRDO I. Nuda. Htdatina gibba. 2 species. ß) maxillae inermes: -j-) ore recto terminal!: Enteroplea lacustris. nov. Gen. 1 species. ■J-) ore obliquo infero: Pleurotrocha petromyzon. nov. Gen. 1 species. b) composita: Zoobotrton pelliicidus. nov. Gen. 1 species. 2?) oculo unico: a) frontal!: Furcularia gibba. n. sp. ._ gracilis. n. sp. 2 species. b) dorsal! : a) cauda setacea nee furcata: MonoCERCA Rattus. Trick. Rat. M. Monocerca Borjr. bicornis. n. sp. ÖRDO IL Loricata. 2 species. ß) cauda simpllciter furcata: -j-) clliis rotatorlls aequall- bus: Notommata lacimthüa. Vortic. laci- nul. M. longiseta. Vort. longis. M. aequalis. n. sp. aurila. Vortic. aurita M. . saccigera. n. sp. . deeipiens. n. sp. foreipata. n. sp. felis. Vort. felis M. 2?) oculo iin!co: a) lorica depressa: a) cauda slmpllci: ÄIonosttla cornuta. Trich. com. M. , quadridentata. n. sp. 2 species. ß) cauda furcata: Etjciilanis macrura. nov. Gen. dilatata. al. sp. 2 species. b) lorica turgida aut angulosa: a) cauda simplici: Mastigocerga carinata. nov. Gen. 1 species. ß) cauda furcata: Salpina mucronata. Brachionus mu- cronatus M. ( l ) spinigera. n. sp. venlralis. n. sp. redunca. n. sp. brevispina. n. sp. 5 species. S species. (') Der Kamm auf dem Rücken dieser und ähnlicher Formen veranlafste die irrige Mei- nung bei Müller und Bory de St. Vincent, dafs es zweischaalige R'äderthiere gebe. der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 67 Ordo I. Nuda. Ordo IL Loricata. ■J-J-) ciliis rotatoriis inaequa- libus, partim longiori- bus, setaceis tentaculi- formibus: Scaridium longicaudum. Trichoda longicauda M. 1 species. ■y) cauda bis furcata: Dinocharis pocillum . Trick . pocd. M. . letractis. . paupera. 3 species. C) oculis binis aut bis acervatis: C) oculis quatuor: a) frontalibus simplieibus: Squamella bractea. Brach, bract. M. Diglena catellina. Cerc. catell. M. Squamella limulina Bory. capAlata. n. sp. 1 species. aurita. n. sp. 3 species. b) dorsalibus simplieibus: a) cauda simplici: Rattülus lunaris Bory. Trick, luna- ris Bory. 1 species. ß) cauda furcata: Distemma foreipalum. Cerc.forc. M. Jbrficula. n. sp. seligerum. n. sp. 3 species. c) dorsalibus acervatis: Theortjs vernalis. nov. Gen. 1 species. D) oculis tribus: a) uno dorsali, duobus frontalibus: Eosphora Najas, nov. Gen. 1 species. b) tribus dorsalibus: Norops dorsalis. nov. Gen. 1 species. 12 68 Ehrenberg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation Ordo I. Nu da. E) oculis pluribus in clrculum dispositis: Ctcloglena lupus. Cerc. lupus M. Ordo II. Loricaia. 1 species. FamiliaIV. zygotrocha. Ciliorum coronulis binis. Sectio IV. PHILODINAEA. A) coeca: Callidina elegans. nov. Gen. 1 species. £) oculis duobus: a) frontalibus (ante Organa rotatoria): a) cauda ler furcata: Rotifer vulgaris Schrank. tardigradus. n. sp. maci'urus Schrank. 3 species. ß) caudae quinque apicibus: Actinurus neplunius. n. G. (Schie- be!, Oken.) 1 species. b) dorsalibus (pone org. rot.): a) cauda simpliciter furcata: Monolabis conica. nov. Gen. 1 species. ß) cauda ter furcata : VmvOT>Y$kerjthrophthaIma. n. G. ( J ) Sectio IV. BRACHION AEA. A) coeca: ?Noteus Bakeri. Brachion. Bak. M. 1 species. 2?) oculo unico: a) cauda inilla: Anuraea palea Bory. {Anurella vox hjbridd). 1 species. b) cauda furcata: Brachionus urceolaris Müller. Bakeri. n. sp. palea. n. sp. 3 species. C) oculis duobus: Pterodina palina. Brach, patin. M. Prohoskidia Bory. (Probo- scidea et Proboscidia plantis et insectis sacra, Prohoskidia nefas). 1 species. (') Zu den Infusorien hat man bisher auch immer noch die Gattungen Cercaria Nitzsch, Spermatozoon (Baer) und die Wasser- und Essig -Alchen gerechnet, welche ich mit dem eigenen Gattungsnamen Anguühda, schon nach Müller's Andeutung, bezeichnet habe. All diesen Thierformen fehlen aber das Wirbelvermögen und dessen Organe, während sie deutlich nicht zu den Po/jgastricis gehören, auch nicht durch Theilung sich zu vervielfältigen scheinen. Ich finde den schicklichsten Platz für dieselben bei den Entozoen, obwohl ich die Structur der Saamenthierchen mit vollkommener Klarheit noch nicht erkannt habe. Bei Cercaria ephemera sah ich, dafs die 2 seitlichen der 3 von Nitzsch erkannten Augenpunkte keine Augenspuren, sondern die spiralförmigen Anfänge der 2 Eierstöcke sind. Bei Anguilhda fliwiatilis bin ich im Zweifel geblieben, ob das Geschlechtsorgan des Männchens in einer Scheide befindlich ist, der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 69 Ordo I. Nucla. Ordo IL Loricata. Philodin a aculeata. al. sp. citrina. al sp. 3 species. wie bei Oxyuris, deren ganzer Bau sich bei ihnen wiederholt. Sehr stark unterscheiden sich von den übrigen Vibrionen T'ibrio serpentulus und Vibrio gnrdius durch eine Saugwarze an der verdickten Schwanzspitze und Fühlfäden am Munde, die aber nicht wirbeln; daher bildete ich aus ihnen die Gattung Amblyura. Blutkügelchen sind keine Thiere. Ferner sind mehrere von Herrn Bory de St. Vincent und andern Systematikern gegebene Gattungsnamen, welche ich nicht angeführt habe, nicht als ausgeschlossen anzusehen, sondern gehören Formen vorzugsweise an, deren bisherige Beobachtung noch nicht erlaubte, ihnen eine Stelle anzuweisen. Wer aber, anstatt Gattungen zu vermissen, die Artenzahl auf Kosten der Gattungen mehren wollte, kann das sehr leicht, wenn das Trennen der Formen nach physiologischen Principien bis zu seiner natürlichen Grenze mühsam ausgeführt sein wird. 70 Ehiienberg: Beiträge zur Kenntnijs der Organisation III. Geographische Verbreitung der Infusorien, besonders in Sibirien, mit Rücksicht auf die verschiedenen Welttheile. Nachdem ich die Infusorien mit bestimmteren Charakteren versehen und ihre Gattungen und Arten auf festere Regeln gebracht habe, ist es mehr als früher möglich, über die Verbreitung ihrer Formen auf der Erdoberfläche einige sicherere Resultate mitzutheilen. Ich hatte die Ehre der Akademie in einem früheren Vortrage anzuzeigen, dafs ich auf meinen Reisen in Afrika und Arabien mit Dr. Hemprich diese organischen Lebensformen nicht un- beachtet gelassen, und dafs unter den beobachteten 57 aufsereuropäischen, sub tropischen und tropischen Infus orienarten nur ein Drittheil ganz denen ähnlich sei, welche ich vorher bei Berlin, und mit demselben Microscop ebenda wieder nachher beobachtet habe. Zwei Drittheile der Zahl hielt ich aber für von den europäischen verschiedene Thiere. Zu diesem Resultate gesellte sich seit jener Zeit eine noch weit gröfsere Anzahl von mir meist im nördlichen Asien beobachteter Thierformen derselben Klassen. Herrn Alexander von Humboldt's Sommerreise durch Rufsland bis in den Norden des Uralgebirges, zu den Hochgebirgen des Altai und bis zum caspi- schen Meere, an welcher Theil zu nehmen ich das Glück hatte, war nicht so eilig, dafs es nicht möglich gewesen wäre, mit Ernst jene aus Erfahrungen entsprossene Ideen über Infusorien , deren Verfolgung mir als eine Pflicht vorschwebte, auf demselben einzig sichern Wege der Erfahrung weiter zu ent- wickeln. Durch glücklichen Zufall hatte ich mich schon seit längerer Zeit vor Antritt der letzten Reise an das bereits im Eingang erwähnte Cheval- liersche noch vorzüglichere Microscop, als jene waren, die ich in Afrika benutzte, gewöhnt. Ich hatte sehr feine Micrometer im Pistorschen Insti- tute zu Berlin anfertigen lassen, und hatte durch die Gefälligkeit des jungen sehr wissenschaftlichen Herrn Doctor Dickson aus London, ein Glasmicro- meter von Dollond erhalten, welches, worüber man erstaunt, auf noch nicht einer halben Linie Raum, 400 nebeneinander auf Glas eingeschnittene gleiche Theile eines in 10000 Theile zerlegten Zolles angiebt, wodurch es möglich wird, Infusorien, die -^^ Zoll Gröfse haben, sicher direct zu mes- der Infusorien und direr geographischen Verbreitung. 7 1 sen, und noch weit kleinere richtig zu schätzen. Mit Hülfe der Pistorschen Micrometerschraube konnte ich todte und still liegende Infusorien bis auf jjijoj Zoll oder ^ Linie direct messen, eine Gröfse der Feinheit, deren ich bei der Messung nie bedurfte. Diefs alles kam glücklich zu statten. Ich habe mich nun bemüht, aus diesen mechanischen Kunstwerken auf jener Reise für die Katurgeschichte, in Beziehung auf Infusorien, den möglichsten Nutzen zu ziehen. Nach meiner Rückkehr habe ich mit demselben Instru- mente und denselben Ilülfsmitteln die Infusorien bei Berlin von neuem sehr genau geprüft, und mit den auf meinen beiden Reisen gefertigten Zeichnun- gen, Messungen und Bemerkungen verglichen. Das Resultat dieser Arbeit ist es, welches ich hiermit vorlege. Zuerst aber spreche ich von den in Rufsland allein beobachteten Infusorien -Formen und ihrem Verhältnifs. Auf 22 verschiedenen Punkten bis zu den weit ausgedehnten südöstlichen Grenzen des grofsen rufsischen Reichs, war es mir wieder vergönnt, die Natur über ihre verborgensten Organismen zu befragen, möge es mir gelungen sein, als Dolmetscher derselben, ihre Antwort richtig verstanden und richtig übertragen zu haben. Die Gesammtzahl der von mir beobachteten rufsischen Infusorien be- trägt nach systematischer Reduction der sämmtliclien Formen 113 selbststän- dige Arten. Die beobachtete Formenzahl verhält sich wie folgt : a) Europäische Beobachtungspunkte: I. St. Petersburg an der Newa 23 Formen. n. Saratof an der Wolga 6 HI. Kurotschkinskischer See bei Astrachan (in Salzwasser von daher, welches in Astrachan in Flaschen aufbewahrt war, beobachtet) 1 Form. IV. Sakmara Flufs westlich von Orenburg (Conferven von da- her in Uralsk untersucht) 1 31 Formen. b) Asiatische Beobachtungspunkte: V. Uralsk am Uralflusse 7 Formen. VI. Orenburg am Uralflusse 3 VII. Hezkaja Saschtschita bei Orenburg (aus Salzwasser der Steppe ; in Orenburg beobachtet) 6 72 Eürenberg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation VOT. Soimonofskoi im Uralgebirge (') in der Kupfergmbe ... 3 Formen. IX. Kyschtym im Uralgebirge (mit Conferven des Sumpf- wassers) 2 X. Catharinenburg im Uralgebirge an der Iset (aus dem Flusse, aus Sümpfen und aus dem See Scbartasch). . 26 XL Psishne Tagil im Uralgebirge am Flufse Tagil 1 Form. XII. Bogoslofsk im nördlichen Uralgebirge am Flufse Turja . 6 Formen. XIII. Petropawlofsk östlich vom Ural in der sibirischen Steppe (aus Conferven des Salzwassers eines Steppensees). . 3 XIV. Troizk östlich vom Ural in der sibirischen Steppe (aus Conferven einer salzigen Lache) 1 Form. XV. Tobolsk am Irtysch und Tobol in der sibirischen Ebene 21 Formen. XVI. Barnaul in Sibirien am Obi S XVII. Platofskische Steppe zwischen Barnaul und dem Koli- waner See 1 Form. XVIII. Smeinogorsk im Altaigebirge 12 Formen. XIX. Koliwan am Flüfschen Belaja (mit Conferven beobach- tet in Smeinogorsk) 1 Form. XX. Buchtarma im Altaigebirge am Irtysch . . «. 6 Formen. XXI. Prochodnoi-Alpe des Altai bei Riddersk (mit Confer- ven, die ich vom Kamme der Alpe mitgenommen hatte, in Riddersk beobachtet) 2 . XXH. Syrjanowskoi im Altai 9 117 Formen. Summa 148 Formen. 113 Species. Nimmt man die Bergkette des Uralgebirges und an deren südlichem Ende den Uralflufs als natürliche Grenzen von Asien und Europa an, und rechnet man die unmittelbaren Grenzbewohner schon zu Asien, so gehören von diesen 113 Infusorienarten 31 nach Europa, während 82 zu Asien zu rechnen sind. Von allen wurden, mit Wiederholung einzelner Formen, in St. Petersburg 23 Arten-, in der astrachanischen Steppe mit dem Bett der (') An den Punkten, wo nicht Salzwasser ausdrücklich genannt wird, ist allemal Süßwasser eh verstehen. der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 73 Wolga und des Uralflufses 24 Arten; auf der Bergkette des Ural 37 Arten; auf der Fläche von Sibirien 33 Arten und im Altaigebirge, nicht fern von den Grenzen des chinesischen Gebiets, 22 Arten beobachtet. Systematisch betrachtet, gehören die 113 russischen Infusorienarten 51 Gattungen an. Es sind unter ihnen aus der ersten Phytozoenklasse (den Poljgastricis) 95 Arten, welche zu 39 Gattungen gehören, aus der zweiten Phytozoenklasse, oder den Räderthierchen , sind unter ihnen 18 Arten, welche zu 1 2 Gattungen gehören. Ich habe dabei noch die Gattung Jnguil- lula, von der ich in Rufsland 3 Arten beobachtete, mit hinzu gerechnet, weil viele gerade diese allein als Infusionsthierchen kennen, obwohl ich sie im System zu den Entozoen gewiesen habe. Bei den systematischen Ver- gleichungen werde ich Jngidllula weiter mit rechnen, aber da sie weder zu den Poljgastricis noch zu den Räderthierchen gehören, immer auszeichnen. Übereinstimmend in Maafs und Körperform und mithin ganz, oder sehr wahrscheinlich ganz gleich mit in Berlin vorkommenden, oder von Müller abgebildeten und sonst bekannten mitteleuropäischen Infusorien, sind fol- gende Formen Rufslands : POLYGASTRICA, 55 Arten: AcTINOPHRTS Sol. Amoeba diffluens. Arcella vulgaris. Aspidisca Lynceus. Bacterium tremulans. Monas? Carciiesium fascicidatum. Closterium cornu. . lunula. trabecula. Cocconema cistula? Coleps hirtus. Cyclidium glaucoma. Difflugia proteiformis . Doxococcus glohulus. pulvisculus. Exilauia panduriformis . flahellum. EuGLENA OCUS? Fragilaria pectinalis. Glaucoma scintillans. Gomphokema discolor. Kerona puslulala. Kolpoda cucidlus. Ren. Loxodes cucullulus. cucidlio. Leucophrys Ifluida. Monas atomus. guttata . _ EncJwljs? _ termo. K 74 Ehrenberg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation Monas mica. Trachelius falx. uva. lamella. Navicula fulva. trichophorus? gracilis. Trichoda paramaecium. ulna. Trichodina grandinella. Oxytricha lepus. Vibrio rugula. pullaster. lineola. Pandorina Morum. Vorticella convallaria. Paramaecium Aurelia. et) campanuiata. Chrjsalis. /3) piriformis. Spirillum volutans. microstoma. Trachelius fasciola. Urocentrum turbo. anas. ROTATORIA, 11 Arten: Anuraea palea. Lepadella? triptera. Braciiionus urceolaris. Monostyla cornuta? Colurus uncinatus. Monura colurus. Diglena catellina? Rotifer vulgaris. capitata? Salpina bicarinala? Eosphora Najas? Zu diesen würden sonst 3 Anguillula- Arten gehört haben, welche ich gleichzeitig beobachtete, und die sämmtlich auch in Berlin vorkommen. Die Summe der mit den mitteleuropäischen übereinstimmenden russi- schen Infusorien beträgt demnach 66, mit den Alchen (Anguillula) 69, was von der Gesammtzahl mehr als ^, oder fast 2j ist. Die übrigen 44 in Mittel- europa noch nicht verzeichneten gehören ebenfalls, wie die afrikanischen, gröfstentheils bekannten, oder von mir aufgefundenen europäischen Gattun- gen an. Neue Gattungen ganz unbekannter Formen, als Frucht dieser Reise waren folgende 5 : ARCELLA, EOSPHORA, ASTASLA, TRICHODISCUS. BODO, Seitdem ich aber diese Gattungen characterisirt habe, sind mir auch bei Berlin, theils dieselben Formen vorgekommen, theils habe ich doch der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 75 andere Arten derselben Gattungen hier aufgefunden. Das erstere ist der Fall bei den sehr ausgezeichneten Formen Eosphora und Arcella, von denen ich letztere zuerst in Tobolsk sah, jetzt aber in 3 Arten hier gefunden habe. (Herr Doctor Leo in Berlin hat, wie er mir sagt, auch mehrere dieser For- men und vor mir bei Berlin beobachtet, sie unter dem Gattungsnamen Dif- flugia beschrieben und der naturforschenden Gesellschaft übergeben, welcher Aufsatz noch nicht gedruckt ist.) Bei den drei übrigen ist das letztere der Fall, so dafs von allen Gattungen keine jenen Ländern ganz eigenthümliche übrig geblieben ist. Die Zahl der beobachteten Arten verhält sich zu der Zahl der Gat- tungen, wie folgt: Von 27 Gattungen wurde 1 Art beobachtet. 9 ?» wurden 2 Arten 6 »» •n 3 „ 3 ii 1» 4 „ 1 Gattung „ 6 „ 1 1» i» 7 „ 1 M ?i 8 „ Die 4 sich durch Formenmenge auszeichnenden Gattungen sind sämmt- lich aus den Poljgastricis, nämlich : TRACHELIUS mit 6 Arten. NAVICULA „ 7 „ BACTERIUM „ 8 „ MONAS „13 „ Von der letztern Gattung wurden 1 Arten in Asien, 3 in Petersburg beobachtet. Unter den Räderthierchen scheint sich die Gattung Hydatina in Sibi- rien am meisten zu entwickeln. Ich zählte 3, sämmtlich neue Arten. Doch beobachtete ich damals das Auge noch nicht aufmerksam, worein ich jetzt die Gattungscharaktere lege, und mein Urtheil gründet sich daher auf die durch meine Zeichnung festgestellte, ganz mit jener Gattung übereinstimmende Form und Structur. Die Gattung Diglena gab 2 Arten, bei denen derselbe Zweifel bleibt, die aber selbst mit unsern Arten übereinzustimmen scheinen. Bei Berlin ist die Gattung Notommata am reichsten an Arten. K2 76 Eh ren berg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation Rücksichtlich der östlichen Längenverbreitung zeichnen sich folgende in Berlin und am Altai beobachtete Formen besonders aus : Magentliierchen, 16: Räderthierchen, 6: Closterium lunula. (Anguillula ßuviatilis.) Coleps hirtus. Anukaea palea. Kolpoda cucullus. Diglena catellina? Leitcopürts ? Jluida . capitata ? Loxodes cucidlulus. Monostyla cornuta? cucullio. Rotifer vulgaris. Monas atomus. mica. termo. Navicula fusiformis. gracilis. OxYTRICHA lepilS. Paramaecium Aurelia. Trichodina grandinella. Trichodiscus Sol. Vibrio rugzda. Infusorienformen, die 1) St. Petersburg und Bogoslofsk fast im 60"" Breitengrade, und 2) den Sinai im 2S slen , mit Dongala bis zum 19"° Breiten- grade gemeinsam bevölkern, sind : Magentliierchen, 4: Räderthierchen, keine. Ctclidiuai glaucoma. Kolpoda cucullus. Paramaecium Chrysalis. Traghelius lamella. Infusorienformen, welche Berlin, der Altai und die Breite des Sinai bis Dongala gemein haben, sind : Magentliierchen, 4: Räderthierchen, 3: Closterium lunula. (Anguillula ßuviatilis.) Kolpoda cucullus. Diglena catellina? Monas termo. Rotifer vulgaris. Navicula fusiformis. der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 77 Von Formen, welche an allen geographischen Extremen meiner Be- obachtung, nämlich 1) am Sinai bis Dongala, 2) in Berlin, 3) in St. Peters- burg und Bogoslofsk und 4) am Altai gleichzeitig waren, und die mithin die Frage lösen könnten, ob es ganz allgemein verbreitete Infusorien, gleich- sam Weltbürger unter ihnen giebt, ist bis jetzt erfahrungsgemäfs allerdings eine, aber nur eine zu nennen : KOLPODA CUCUUUS. Diese hiermit vorgetragenen Zahlenresultate sind, schon wegen un- gleicher, oft sehr geringer Beobachtungsmengen an den verschiedenen Orten, keineswegs als feste Principien aufzunehmen, sie sollen nur dazu dienen, zu klarem Bewufstsein über das zu gelangen, was wir wirklich über die Ver- breitung der Infusorien durch Erfahrung wissen, und einen Maafsstab abge- ben, zu erkennen, wie weit poetische Hypothesen diefs erweitert haben, oder später erweitern. An diese Beobachtungen, welche auf einer grofsen Ausdehnung der Erdoberfläche mit möglicher Sorgfalt angestellt wurden, schliefse ich noch eine kleine Zahl anderer, die zwar in den genannten Zahlen mit begriffen waren, die aber ein besonderes Interesse gewähren dürften. Es sind Be- obachtungen über das Vorkommen der kleinsten Thierkörper in finstern Schachten unter der Erde. Da auf der B.eise im Ural und Altai Herr v. Humboldt alle wichti- geren Erzgruben befuhr, so benutzte ich in seiner Begleitung diese Gelegen- heit, aus den tiefern Punkten derselben stehendes Wasser, nasse Schimmel- massen und schleimige Überzüge der Zimmerung in gereinigten stark ausge- trockneten Glasfläschchen zur Beobachtung von Infusorien mitzunehmen, die ich dann sogleich zu Tage mit dem Microscop untersuchte. Mehrere Male wa- ren meine Bemühungen umsonst. Ich fand in den aus der Tiefe mit solcher Vorsicht genommenen Feuchtigkeiten, dafs sie nicht am Gestänge und in den Schachten unmittelbar von oben herab gelaufen sein konnten, mehrmals keine Infusorien, zweimal aber fand ich deren in ziemlicher Zahl, und da- von einmal unter Verhältnissen, die bei völligem Abschlufs des Tageslichts in 56 Saschenen (Lachter) Tiefe mir die Überzeugung liefsen, als wären sie nicht vielleicht am selben Tage mit dem Wasser von oben hinab gedrungen, sondern als wären sie am Orte selbst wohnhaft und erzeugt worden. Diese beiden fruchtbaren Beobachtungspunkte waren : die Silbergrube von Smei- 78 Ehuenbeug: Beiträge zur Kennlnijs der Organisation nogorsk im Altai, und die Kupfergrube von Soimonofskoi im Ural. Die erstere lieferte mir in der angegebenen gröfsern Tiefe 4 Infusorienarten, welche sämmtlich bekannte Formen waren, die ich aber an demselben Punkte über der Erde nicht beobachtet habe, nämlich: (Anguillula. fluviatilis). KOLFODA CUClllluS. Loxodes ciicidlulns. cucullio. Die letztere Grube gab mir, bei geringerer Tiefe von nur 6 Saschenen (Lachter), drei andere, nämlich: Monas atomus. Endlieljs. termo. Es ist zu bemerken, dafs unter diesen Formen wieder Kolpoda cucuUus angetroffen wird, und dafs sämmtliche Formen sehr verbreitet sind. Das Gesammtresultat meiner bisherigen Beobachtungen über Infuso- rien möchte ich schliefslich in Folgendem übersichtlich zusammenfassen : 1 . Alle Infusorien sind organisirte, und zum Theil, wahrscheinlich alle, hoch organisirte Thiere. 2. Die Infusorien bilden 2 ganz natürliche Thierklassen nach ihrer Stru- elur, lassen sich nach der Structur wissenschaftlich abtheilen, und er- lauben keine Vereinigung ihrer Formen mit gröfseren Thieren, so ähn- lich sie auch oft erscheinen. 3. Die Existenz von Infusorien ist in 4 Welttheilen und im Meere nach- gewiesen, und sie bilden die Hauptzahl, vielleicht die Hauptmasse der thierisch belebten Organismen auf der Erde. 4. Einzelne Arten sind in den entferntesten Erdgegenden dieselben. 5. Die geographische Verbreitung der Infusorien auf der Erde folgt den schon bei andern Naturkörpern erkannten Gesetzen. Nach Süden hin giebt es in andern Weltgegenden stellvertretende abweichende Formen mehr, als nach Westen und Osten, aber sie fehlen nirgends, auch be- trifft die climatische Verschiedenheit der Form nicht blofs die gröfseren. 6. Das Salzwasser der sibirischen Steppenseen zeigt keine auffallend ab- weichenden eigenthümlichen Infusorienformen. der Infusorien und ihrer geographisclien Verbreitung. 79 7. Das Meerwasser nährt andere und gröfsere Formen als das Flufswas- ser, viele aber sind dieselben ; bei keiner übersteigt die Körpergröfse eine Linie. S. Im Wasserdunst der Atmosphäre, der sich als Regen und Thau nie- derschlägt, beobachtete ich nie, auch wohl sonst nie jemand mit Sicherheit lebende Infusorien. 9. In den Tiefen der Erde, wo atmosphärische Luft, aber wohl kaum ein Minimum von reflectirtem Licht Zutritt hat, finden sich Familien derselben Infusorien, wie auf der Oberfläche. 10. Die directen Beobachtungen für die generalio primitiva mangeln, wie es nun scheint, sämmtlich der nöthigen Schärfe. Dieselben Beob- achter, welche das plötzliche Entstehen der kleinsten Organismen aus Urstoffen gesehen zu haben meinen, haben die sehr zusammengesetzte Structur dieser Organismen ganz übersehen. Ein arges Mifsverhält- nifs ist hier nicht zu verkennen, und die Täuschung liegt am Tage. Das Mifsverhältnifs mag weniger der Übereilung der Beobachter zur Last fallen, als der Unzulänglichkeit der benutzten Instrumente, oder dem Mangel an Übung in deren Gebrauch. Beobachtungen über das Entstehen krebsartiger Thiere und Insecten aus Urstoffen, sind die Nachklänge einer veralteten Zeit, wo die Raujien aus den Blättern wuchsen. 11. Die Idee, als hinge der Mensch, wenn auch nur zum Theil vom Wil- len ihn zusammensetzender Infusorien ab, wird durch die Beobach- tung beseitigt, dafs die Infusorien sich ihre Nahrung suchen müs- sen, Eier legen, und sich nie bleibend und wachsend verbinden. 12. Die Entwicklung aller von mir hinlänglich beobachteten Infusorien- formen ist cyclisch, ganz bestimmt, nur zuweilen sehr formenreich, daher täuschend und genau zu beachten. 13. Die Resultate meiner Beobachtungen erinnern lebhaft an den alten physiologischen Satz : Omne vivum ex ovo. Nie sah ich nämlich bei 12 jähriger angestrengter Beobachtung das plötzliche Entstehen eines ausgebildeten Infusoriums aus Schleim oder Pflanzenzellen, wohl aber unzählige Male das Gebähren der Eier und das Ausschlüpfen der Jun- gen aus den gröfseren von diesen. Auf solche Erfahrungen gestützt bin ich der Meinung, dafs diese Thiere durch Generatio primitiva 80 Euhenbekg: Beiträge zur Kenntnijs der Organisation nicht gebildet werden, sondern aus Eiern entstehen. Ob nun die freien Eier nur zum Theil das Product des Gebährens, zum Theil aber das Product einer Generatio primitiva sind, ist noch nicht reif zur Entscheidung. 14. Die activen Bewegungen und Contractionen bei Pflanzen und ihren Theilen, besonders bei Algen, sollten, wenn sie auch infusorielle, oder thierische Bewegungen genannt würden, nicht die Idee von Thier- heit erwecken. Innere Ernährungsorgane und nachzuweisende be- stimmte Mundöffnung, zur Aufnahme selbst fester Stoffe, scheiden die scheinbar einfachsten Thiere von den Pflanzen. Nie, auf viel- fache Versuche, habe ich einen beweglichen Algensaamen die geringste feste Nahrung zu sich nehmen gesehen, und so unterscheidet sieb die fruchtstreuende Alge von der sie umschwärmenden Monade, wie der Baum vom Vogel. 15. Endlich lenke ich darauf die Aufmerksamkeit, dafs die Erfahrung eine Unergründlichkeit der organischen Schöpfungen dem kleinsten Räume zugewendet zeigt, wie die Sternen- welt dem gröfsten, deren nicht naturgemäfse Grenzen die optischen Hülfsmittel ziehen. Bis an das Walten der Urstoffe mögen sich Hypothesen wagen, der Erfahrung kann es noch nicht vorliegen. Die Milchstrafse der klein- sten Organisation geht durch die Gattungen Monas, Vi- brio, Baclerium, Bodo. der Infusorien und ihrer geographisclien Verbreitung. 8 1 Tabelle I. Verzeichnifs der in Rufsland im Jahre 1829 auf Herrn A. v. Humboldts Reise beobachteten Infusorien. Gröfse nach Pariser Linien. 1. ACTEXOPHRYS Sol. TÖO" 75 \ Catharinenburg 2. Amoeba dißuens. Hcatharinenburg -fg - f/' {Proteus difßuens Müller, hg^^f f , Anuba Müllen Bory.) J l ■ ib } ä a t> dPT t a ; • n / Catharinenburg 7. ARCELLA vulgaris, nov. Gen. -{ „ , , , ° L lobolsk {Tiichoda Sol Müller.) (Proteus difßuens Müller, l") c » f J " "'" 3. ANGUILLULA ßuviatilis. L°.° S A jung \ r f J wbmeinogorskj L -% (Vibrio Anguill.fl. Müll.)\\ c .. 7 , , .„, v ) (Smeinojorsk alt *~" 4. inflexa. nov.spec. Petropawlofsk lg" 5. reclicauda. n. sp. Ilezkaja Saschtschita 4'" 6. Anüiiaea ^rt/eß (Brachionus Müller. V SmeÜlOgOrsk l£' Anurella Bory.) _J_ i m 1U0" 40 _I_ 1 in 100 " 20 8. ASPIDISCA Lynceus. "1 /Catharinenburg ffe " 7s'" (Trichoda Lynceus Müller.)) Ujralsk -£."! 9. ASTASIA haematodes. n. G. Platofskische Steppe -^" 1 ' ' viridis, al. sp. Syrjanofskoi ^ - J-'" \ 1 . BACTERIUM cylindric. n. G. Ilezkaja Saschtschita £» 12. deses. \ . . t byrianoiskoi -rjr' (Enchel/s deses Müller.) J J ' 10u 13. Enclielys. al. sp. Petersburg ^'" 14. fuscum. al. sp. Catharinenburg -^" 15. Monas, al. sp. Ilezkaja Saschtschita ^'" 16. punctum, al. sp. Petersburg 3j6"3jl"' fTobolsk, 5^'" 17. . termo. al. sp. \ „ , , ,„ v iPetersburg £& L 8? 18, 19, 20, 21, 22, 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 3S. 39. 40. 41. 42. 43. Ehrenberg: Beiträge zur Kenntnifs der Organisation Gröfie oacl» * Pariser Linien. BACTERIÜM tremulans. al.sp. Petersburg ^U" Bacillaria elongata. n. sp. Tobolsk -i'" BODO didymus. n. G. Catharinenburg suö~ 6~oo'" viridis, al. sp. Smei'nogorsk -J-" vorlicellaris. al. sp. Catharinenburg -^J" Bhachionus wcenlaris Müller. Tobolsk -^ - -^" CARCHESIUM fascicidatum. \ c . _ ' , ". _ , „ } bakmara, rluls bei Urenbure. .. 4i (J'orticella fascic. Müller.) J O 36 Closterium cornu. n. sp. Catharinenburg -±~" . ._,. . f Catharinenbure. -A'" lumda Nitzsch. { . ö i" L bmeinogorsk \ , Irabecula. n. sp. Tobolsk U" COCCONEMA cistula. n. G. Catharinenburg jij- J/" Coleps hatiis Nitzsch. ~l f Bogoslofsk -^'" (Diceratellu hirta Bor/.) J iSyrjanofsk -^" Colurus uncinalus. "i f r> i r 1 im I I Bogoslofsk 4-'" (Brachinnus Müller. J"W-> i r i . „. Cerella Bory.) j (PetrOpawlofsk #" Cyclidium slaucoma Müller. Petersbure ttt-tV" margaritaceum. n.sp. Catharinenburg 125T00'" Difflugia proleifoiniis. Le Clerc. Tobolsk J-'" D1GLENA capita ta. n. G. Buchtarma J- 6 '" caleüinal n. G. "| , ' > bmeinogorsk -}-'" (Cerraria ca/ellina Müller.) J a z0 doxococcus gmaus. j --^ (Vohox globulüs Müller.) J ' 7 - j inaequalis. n. sp. Catharinenburg J^J" pulvisculus. n.sp. Catharinenburg _1--J_'" fr o Ua luo Exilaria j'labe llum. n. sp. Saratof J^" panduriformis. n. sp. Catharinenburg -^'" EOSPHORA Najas* h. G. Tobolsk . . . : ig- EUGLENA acus. 1 „ • . , ? Catharinenbure -»V (/^'4nb acuj Müller.) J D 40 „ f Saratof 4:'" ^ragilaria angusta. n. sp. j_ , ., y,„ der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. S3 Gröfse n.ir 1j Pariser Linieu. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. Fragilaria bipunctata. n. sp. pectinalis Lyngbye. . Scolaris, n. sp. { Catharinenburg -L- Saratof Catharinenburg Saratof m i in 48 1 in GL AUC OMA sc *'«*///« ras. n.G. Gompiionema dcscolor. n. sp. rotundatum. n. sp. Iclavatum. n. sp. Iconslrictum. n. sp. Gonium hjralinum. n. sp. HYD ATINA llaticauda. n. sp. lleptocerca. n. sp. . ? terminalis. n. sp. Petersburg. Troizk Saratof. . . Orenburg l "60" 1 III 48 1 m 40 j in 50 i-"' 20 1 w '64 Catharinenburg -X'" 24 56. Kerona pustulata Müller. 57. Kolfoda cucullus Müller. Smeinogorsk (l einzelne Kugel X^) J Tobolsk Tobolsk Bososlofsk D {Catharinenburg Petersburg X Tobolsk Smeinogorsk Uralsk Petersburg : l in V" 58. 59. 60. 61. 62. Ren Müller. Lepadella Itriptera. n. sp. Leucophrys ? fluida Müller. LOXODES CUCulhduS. (Kolpnda cucullul. Müller.) I i-'" 24 X'" 30 l" III 30 III 24 _i_ IUI 100 " 75 • \J" ' ' 100 JJH " ' 100 144" "75 Petersburg XJ" Bogoslofsk XJ" X'" 36 cucullio. (Kolpoda cucullio Müller.') { Barnaul 'Syrjanofskoi X-'" Smeinogorsk X Ilezkaja Saschtschita 63. Monas atomus Müll. = M. lens M. 64. 65. 66. encheljs. n. sp. erubescens. n. sp. gultula. n. sp. Smeinogorsk Barnaul , Soimonofskoi , Ilezkaja Saschtschita X i iou Kurotschkinskischer See bei As- iii "60 JJH 80 1 Hl 75 jjii 500 1 '" 5U0 /// Soimonofskoi trachan Petersburg . L2 im ' • * 144 X- <-'" iSÜ " 192 84 Ehrenberg: Beiträge zur Kenntniß der Organisation Gröfse nach Pariier Linien. 67. Monas hyalina, n. sp. 500" J84"Z40 68. 69. 70. 71. 72. 73. 74. 75. 76. 77. 78. 79. Kolpoda. n. sp. «z/W/ Müller. ovalis. n. sp. poljloma. n. sp. terrao Müller. f Petersburg iToboisk ::. .& Smeinogorsk J^'" Buchtarma -po'" Barnaul tf Petersburg -£'" Koliwan Catbarinenburg • • • ' soo 1_ 1— '" ■/ooo" fsoo • ' ' 1000 umbra. n. sp. uva Müller. volvooc. n. sp. Monosttla comula? (Triclioda cornuta Müller. 1 lünaris. n. sp MONURA colurus. n. G. NavigÜLA. a) laeves: fulva Soimonofskoi [ Petersburg ^m" Syrjanofskoi Jfe 4 " 1 "' SbO Smeinogorsk Petersburg Är&" > Smeinogorsk -Jj"' Tobolsk JL'" Tobolsk JL'" 80. 81. 82. 83. 84. 1 JCatharinenburg -JL'" (Bacillan'a fulva Nitzsch.)) (.Buchtarma X'" Catharinenburg -r----ad" ö l^^ 100 Syrjanofskoi J~" L_ i'" gracilis. n. sp. Smeinogorsk . Barnaul ulna. (Bacillaria ulna Nitzsch.} \ ß) striatae: i- Catharinenburg v J 60 50 _X 1 '" 43 ' '36 X'" • ' ' 10 Barnaul X"' 00 Bucbtarma J^'" Uralsk ,V" Orenburg X.X .fusiformis. n. sp. . gibba. n. sp. . turgida. n. sp. i>«r. subaequalis. Orenburg -ä - JA' Catharinenburg o l j_"/ 50 " 10 Tobolsk */" ■56 Orenbur« X.X'" der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 85 Grüfte iiji li Pariser Linien. 85. Navicula uncinata. n. sp. Orenburg J$! 86. Oxytricha Lepus Bory. Syrjanofskoi £'" 87 ' ■ * Uralsk J> ,} (Kerona pullaster Müller.) J ' 4S 88. Pandoiuna Morum Bory? Kyschtym ^4"tV" on -D v /• TVT-ii / Syrjanofskoi J^'" S9. Paramaecium Aurelia Muller. ■{ -r, , ". ,„ L Petersburg J- s '" „• _, .. ,„ .■, f Petersburg -h-H" 90 Chrysahs Müller. { „ ; „ f 12 » 17 t Bogoslofsk Jj 91. comj>ressum. n. sp. Uralsk Jg*' 92. ovatum. n. sp. Petersburg -J^'" 93. Rotifeu vulgaris Scbrank. Riddersk h~H" 94. SALPINA hicarinata. n. G. Tobolsk ^o'" 95. SPIRILLUM volutans. 1 _ ■ , ,,„ , f Petersbure: ^ - JL'" (^irrä spirillum Müller.) J ° la2 S6 96. SPIRODISCUS fulvus. n.G. Syrjanofskoi ^'" 97. Trachelius anas. 1 „ ^ Petersburg J/" (e^/finb onaj Müller.) } ° U 98. _____ ^r/jc Scbrank. Petersburg .X'" 99. fasciola. "^JCatharinenburg ~to~~h~~H" KCa, JlUn {Vibrio Müller.) J LUralsk -±'" JJl iuo 36 100. ?globuliferus.n.sj). Tobolsk J^'" i Petersbur« -J i- (Kolpoda lamella Müller.) J °' 75 48 102. trichophorus. n.sp. Tobolsk -X 100 103. Trichoda ? Paramaecium. n. sp.lf Petersburg xi"ii" (< « m. vent. a. « musculus ventralis anterior, vorderer Bauchmuskel ; m. vent. p. « « « posterior, hinterer « t?!. ej. « musculus ejaculatorius, Saamen- Schnellmuskel; m. rot. « musculi rotatorii, Muskel der Räderorgane; n. r. « nervi recurrentes, rücklaufende Nerven; n. v, « nervus ventralis, Bauch -Nervenfaden; }« ovarium, Eierstock; ovd. u oviduetus, Eierleiter; org. rot. « Organa rotatoria, Räderorgane ; oes. « Oesophagus, Schlund; sph. « sphineter, Kranzmuskel der Cloake; /. « festes, männliche Saamenorgane; * der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung. 107 tun. ext. bedeutet tunica externa, äufsere häutige Körperbedeckung ; tun. int. « tunica interna, innere häutige Körperbedeckung; vas d. « vas dorsale, Rückengefäfs;